Heizen und Kühlen mit Umweltwärme im Land zwischen den Meeren - großes Potenzial für Wärmepumpen in Schleswig-Holstein

Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht und Dr. Martin Sabel vom BWP besuchen Wohnquartier mit Wärmepumpen und Nahwärmenetz in Eckernförde.

-    Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht und Dr. Martin Sabel vom BWP besuchen Wohnquartier mit Wärmepumpen und Nahwärmenetz in Eckernförde
-    Wärmepumpen im Gebäudesektor 4,5 Mal effizienter als Wasserstoff
-    Fachhandwerk ist Schlüssel zur Umsetzung einer erfolgreichen Wärmewende

Eckernförde, 18.09.2020. In Deutschland wird in diesem Jahr die millionste Wärmepumpe in Betrieb genommen. Das ist bei insgesamt 21 Millionen Heizungssystemen in Deutschland nicht viel. Denn für die Erreichung der Klimaschutzziele sind laut Studien des BDI und von AGORA Energiewende bis 2030 mindestens sieben Millionen Wärmepumpen notwendig.

In Schleswig-Holstein lag der Anteil der Wärmepumpen im Neubau 2019 bei gerade einmal rund 27 Prozent und damit deutlich unter dem bundesweiten Schnitt von rund 45 Prozent. „Schleswig-Holstein hat 160 Prozent erneuerbaren Strom, von dem in 2017 ca. 3.000 GWhh abgeregelt werden mussten,“ resümiert Martin Sabel vom Bundesverband Wärmepumpe bei seinem heutigen Treffen mit Minister Albrecht in Eckernförde. „Warum hier im Neubau auch nur ein Haus noch mit einer Gasheizung ausgestattet wird, ist aus unserer Sicht schwer nachvollziehbar. Die Klimaziele sind so jedenfalls nicht zu schaffen“, so Sabel.

Wärmepumpe im Gebäudesektor 4,5 Mal effizienter als grüner Wasserstoff
Wärmepumpen bieten eine klimafreundliche Alternative zum Heizen und Kühlen von Gebäuden – und zwar nicht nur im Neubau, sondern auch im Bestand. Selbst eine Flächenheizung ist für den effiziente Betrieb einer Wärmepumpe nicht unbedingt notwendig. Aus einer Kilowattstunde Wind- oder Solarstrom schafft eine Wärmepumpe ein Vielfaches, in der Regel mehr als das 3,5-fache, an Wärmeenergie. Im Vergleich dazu bleibt bei der Nutzung von grünem Methan, der per Elektrolyse aus erneuerbarem Strom gewonnen wurde, beim Heizen über das Gasnetz nur die Hälfte bis zwei Drittel der Leistung des erneuerbaren Stroms übrig.

 

„Wasserstoff oder daraus hergestelltes Methan wird zur Erreichung der Klimaziele im Mobilitätssektor und in der Industrie eine wichtige Rolle spielen – darüber besteht weitgehender Konsens“, bestätigt Sabel. Sein Einsatz im Gebäudesektor zur Erzeugung einer Raumtemperatur von 25 Grad mache laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) allerdings am wenigsten Sinn. „Die benötigte Menge an erneuerbarem Strom zur Bereitstellung von Wasserstoff für die Gebäudewärme ist 500 bis 600 Prozent größer als die Menge, die für die Nutzung von Wärmepumpen zur Wärmeerzeugung benötigt wird“, erläutert Sabel.

In Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion um die Rolle von Wasserstoff im Dekarbonisierungsprozess ist deshalb eine differenzierte Betrachtung der unterschiedlichen Sektoren notwendig, um zu entscheiden, wo der Einsatz von grünem Wasserstoff sinnvoll ist und wo heute schon Alternativen zum Gelingen der Wärmewende vorhanden sind. Wärmepumpen stehen bereits heute für den flächendeckenden Einsatz im Gebäudesektor zur Verfügung.

„Kalte Nahwärme“ in Quartieren: Erneuerbare Heizungssysteme als Alternative zu Fernwärmekonzepten und Wärmepumpen als Lastmanagement für erneuerbaren Strom

Auch dort, wo auf Siedlungs- und Quartiersebene eine dezentrale Wärmeversorgung gefragt ist, bietet der Einsatz von Wärmepumpen in sogenannten „Kalte Nahwärmenetzen“ oft eine willkommene Alternative. Das Wohnquartier Noorblick in Eckernförde zeigt außerdem, wie in Quartieren erneuerbare geothermische Wärme, hier in Kombination mit Photovoltaik und einer umweltschonenden Pelletheizung, zum Einsatz kommen kann.  Rund um die alte Fachhochschule Eckernförde sind hier bis zum Sommer dieses Jahres in 10 Gebäuden 91 zum Teil öffentlich geförderte Wohneinheiten entstanden, die über ein kaltes Nahwärmenetz verbunden sind. Als Wärmequelle dienen 365 Boden-Klima-Tauscher, also Erdkollektoren, die Erdwärme für alle Gebäude nutzbar machen. Zudem sind Luftabsorber installiert worden, die zusätzlich die Temperatur im kalten Nahwärmenetz konstant halten. Jedes Gebäude ist mit einer Wärmepumpe ausgestattet, die das Netz nutzt, um daraus die gewünschte Raumtemperatur zu generieren: entweder zum, Heizen oder zum Kühlen.

„Besonders bei uns im Norden macht aufgrund des hohen Anteils an erneuerbarem Strom der Einsatz von erdgekoppelten Wärmepumpen für das Lastmanagement, also für die Steuerung des Stromverbrauchs, enorm Sinn“, erklärt Thorsten Bock, Bereichsleiter der Stadtwerke SH in Schleswig.

Die in den Gebäuden installierten Wärmespeicher, speichern den erneuerbaren Strom als Heizwärme oder Warmwasser für die angeschlossenen Gebäude. Bei dem Projekt in Eckernförde ergänzen zudem die Produktion von eigenem Strom über PV-Anlagen und der Einsatz von Pelletheizungen für die Zeiten eines erhöhten Wärmebedarfs das nachhaltige Wärmekonzept. „Für Kommunen und privatwirtschaftliche Projektierer lohnt es sich nicht zuletzt aufgrund der attraktiven nationalen und regionalen Förderprogramme, alternative Konzepte in Erwägung zu ziehen. Da ist in Schleswig-Holstein noch Luft nach oben.“

Keine Energiewende ohne das SHK- und Elektrofachhandwerk

Für Heizungsinstallateure und Fachhandwerker stellt die Energiewende im Gebäudesektor, also die „Wärmewende“, eine große Herausforderung dar. Die neuen staatlichen Förderrichtlinien machen sowohl im Ein-, als auch im Mehrfamilienhausbereich den Heizungstausch hin zu erneuerbaren Technologien wie Wärmepumpen sehr attraktiv. Bis zu 45 Prozent der Investitionskosten erhalten Modernisierer zum Beispiel für den Tausch einer alten Ölheizung gegen eine effiziente Wärmepumpe.


„Die steigende Nachfrage durch Hausbesitzer und Investoren und der Druck durch die Klimaziele aus dem Pariser Abkommen, den Gebäudesektor bis 2050 quasi klimaneutral zu machen, müssen von versierten Fachhandwerkern aufgefangen werden. Auch hier ist die Politik nicht zuletzt auf Landesebene gefordert, entsprechende Anreize zu schaffen und auch die Aus- und Weiterbildung in diesem Bereich bewusst zu überdenken und das Handwerk zu unterstützen“, sagt Sabel. Der Bundesverband Wärmepumpe bietet hier neben ergänzendem Schulungsmaterial für überbetriebliche Ausbildungszentren und Berufsschulen auch Weiterbildungsangebote wie die Schulung zum Sachkundigen für Wärmepumpensysteme nach VDI 4645. Weitere Infos unter www.waermepumpe.de/fuer-handwerker/.


Bei Rückfragen oder um weiteres Material anzufordern, melden Sie sich bitte gern in Pressebüro. Bildmaterial in druckfähiger Auflösung und weitere Infos finden Sie unter: https://www.waermepumpe.de/presse/pressemitteilungen/

Über den Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e. V.
Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e. V. ist ein Branchenverband mit Sitz in Berlin, der die gesamte Wertschöpfungskette rund um Wärmepumpen umfasst. Im BWP sind rund 500 Handwerker, Planer, Architekten, Bohrfirmen sowie Heizungsindustrie und Energieversorger organisiert, die sich für den verstärkten Einsatz effizienter Wärmepumpen engagieren.

Die deutsche Wärmepumpen-Branche beschäftigt rund 20.000 Personen und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 2,5 Milliarden Euro. Derzeit nutzen rund eine Million Kunden in Deutschland Wärmepumpen. Pro Jahr werden ca. 90.000 neue Anlagen installiert, die zu rund 90 Prozent von BWP-Mitgliedsunternehmen hergestellt werden (www.waermepumpe.de)

Pressekontakt
Katja Weinhold (Pressesprecherin BWP)
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E-Mail: weinhold@waermepumpe.de
www.waermepumpe.de

 

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