Wärmepumpen sind nicht das Problem, sondern die Lösung!

Für eine erfolgreiche Energiewende brauchen wir viel mehr Wärmepumpen - und mehr grünen Strom!

BWP-Reaktion zum WELT-Artikel „Das Wärmepumpen-Dilemma gefährdet die Energiewende“

von Dr. Martin Sabel, Geschäftsführer Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V.

Am 14.11. hat der Autor Daniel Wetztel in der Welt einen Artikel mit dem Titel „Das Wärmepumpen-Dilemma gefährdet die Energiewende“ veröffentlicht. Mit dem Titel bezieht er sich auf eine Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität Köln (EWI Köln). In der Studie wurde untersucht, welche Maßnahmen notwendig sind, um die bis 2030 stark wachsenden Zahlen von Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge in das bestehende Energiesystem in Norwest-Europa (Deutschland, Frankreich, Dänemark und den Benelux-Staaten) zu integrieren. Dafür wurden drei Szenarien für die Stromnachfrage definiert, die von unterschiedlichen Elektrifzierungsgraden im Gebäude- und Verkehrssektor ausgehen.

Dabei ist für die Autoren der Studie klar, dass Wärmepumpen eine Schlüsseltechnologie für die Energiewende sind. Klar wird auch, dass unser bestehendes Energiesystem angesichts der Notwendigkeit zur Dekarbonisierung und dem deshalb notwendigen massiven Ausbau von Wärmepumpen bis 2030 nicht so bleiben kann wie es heute ist. Die Autoren nennen im Wesentlichen vier Maßnahmen, die dringend erforderlich sind, um das Energiesystem bis 2030 fit für die Zukunft zu machen:

  • Die flexible Kraftwerkskapazität muss etwa durch Gas-Kraftwerke erhöht werden.
  • Die Netzplanung und der Netzausbau müssen dem Ausbau von Wärmepumpen und den damit einhergehenden Änderungen der Lastprofile entasprechen.
  • Die Spitzenlast kann gesenkt werden, indem Wärmepumpen bestehende elektrische Widerstandsheizungen ersetzen und mehr Hybrid-Wärmepumpen eingesetzt werden, die mehr Flexibilität liefern.
  • Das Flexibilitätspotenzial von Wärmepumpen muss genutzt werden. Intelligente Zähler und zeitvariable Strompreise können unter anderem für weitere Flexibilität sorgen.  

Fazit: Wärmepumpen gefährden keineswegs die Energiewende, sie sind im Gegenteil der Schlüssel zur Lösung der Energiewende im Gebäudesektor. Bis 2030 muss der Wärmepumpen-Bestand massiv ausgebaut werden und fossile Heizungen insbesondere im Bestand ersetzen. Das fordert auch die von Herrn Wetzel zitierte Studie von Prognos, Wuppertalinstitut und Öko-Institut im Auftrag von Agora Energiewende, Agora Verkehrswende und Stiftung Klimaneutralität.

Der Staat fördert diesen Umbau aktuell mit attraktiven Fördermitteln. Diese werden sehr gut angenommen, was zeigt, dass die Hindernisse zum Einsatz von Wärmepumpen in Bestandsgebäuden keine technischen, sondern viel mehr wirtschaftliche sind. Und es ist keineswegs notwendig, eine Fußbodenheizung zum effizienten Betrieb einer Wärmepumpe zu installieren. Im Gebäudebestand ist die Nachrüstung einer Wärmepumpe vor allem deshalb schwierig, weil der politisch gemachte Strompreis viel zu hoch ist und der Markt den Kunden zu Lösungen mit (noch) billigem fossilen Öl und Gas gleichsam zwingt.   

Nirgendwo sonst in Europa ist Strom so teuer wie in Deutschland. Die Schweden machen es uns vor: Dort werden zehnmal so viele Wärmepumpen je Haushalt verkauft wie in Deutschland. Das Stromnetz in Schweden ist aber nicht zusammengebrochen, obwohl die Winter dort sicher härter sind als bei uns. Damit Wärmepumpen ihren Beitrag leisten können, sind Veränderungen notwendig, das muss jedem klar sein. Begonnen bei Veränderungen des Energiepreisgefüges und dem System der Steuern und Umlagen, die flexible Stromtarife ermöglichen bis hin zu einem entschlossenen Ausbau des Stromnetzes und nicht zuletzt der Bereitstellung von flexiblen Gaskraftwerken, die mittelfristig mit grünem Gas betrieben werden müssen, um Zeiten mit geringem Angebot von Strom aus Wind und Sonne auszugleichen.

Herrn Wetzel empfehle übrigens dringend die Lektüre des Artikels seines Kollegen Jürgen Flauger vom Handelsblatt vom 22. Oktober. Titel: „Das Stromnetz ist so ausfallsicher wie noch nie – trotz Energiewende“.

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