Erdwärme-Forum Bayern 2026: Branche blickt mit Rückenwind auf den nächsten Entwicklungsschub
Rund 80 Teilnehmende aus Wirtschaft, Planung, Verwaltung, Politik und Wissenschaft kamen Mitte Mai im Innovationszentrum der Firmengruppe Max Bögl in Sengenthal zusammen, um über die Zukunft der Geothermie in Bayern zu diskutieren. Im Mittelpunkt standen dabei weniger Grundsatzfragen als vielmehr die konkrete Umsetzung: Genehmigungen, Wirtschaftlichkeit, Marktstrukturen und politische Rahmenbedingungen.
Das Erdwärme-Forum Bayern 2026 hat gezeigt: Die Branche befindet sich in einer neuen Phase. Nach Jahren vor allem grundsätzlicher Debatten über die Wärmewende rückten in Sengenthal zunehmend Fragen der praktischen Skalierung in den Fokus. Wie können Genehmigungen beschleunigt, Investitionen abgesichert und Marktpotenziale systematisch erschlossen werden?
Die Veranstaltung, organisiert vom Bundesverband Geothermie, der Erdwärme Gemeinschaft Bayern und dem Bundesverband Wärmepumpe (BWP), brachte unterschiedliche Perspektiven zusammen – von Behördenvertretern über Planer und Bohrunternehmen bis hin zu Energieverbänden und politischen Akteuren.
Erdwärme wird zunehmend als strategische Infrastruktur verstanden
In vielen Vorträgen und Diskussionen wurde deutlich, dass oberflächennahe und mitteltiefe Geothermie inzwischen stärker als Teil einer resilienten Energieinfrastruktur betrachtet wird. Angesichts steigender Anforderungen an Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Preisstabilität wächst das Interesse an lokal verfügbaren Wärmequellen, die unabhängig von internationalen Energieimporten genutzt werden können.
Dabei spielte auch die politische Großwetterlage eine Rolle. Mehrere Beiträge griffen die aktuelle Debatte um Energiepreise, Versorgungssicherheit und Investitionsbedingungen auf. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Branche stabile und verlässliche Rahmenbedingungen benötigt, um den Hochlauf weiter zu beschleunigen.
Wirtschaftlichkeit von Erdwärmepumpen rückt stärker in den Fokus
Ein zentrales Thema des Forums war die wirtschaftliche Perspektive geothermischer Wärmepumpensysteme. Vorgestellte Analysen zeigten, dass Erdwärmepumpen trotz höherer Anfangsinvestitionen langfristig deutliche Kostenvorteile gegenüber fossilen Heizsystemen bieten können. Besonders im Mehrfamilienhausbereich wurden erhebliche Einsparpotenziale aufgezeigt.
Mehrfach wurde betont, dass sich die Diskussion zunehmend von reinen Investitionskosten hin zu langfristigen Gesamtkosten verschiebt. Gerade die hohe Effizienz von Sole-Wärmepumpen, geringere Betriebskosten sowie lange Lebensdauern der Erdwärmesonden gelten dabei als entscheidende Vorteile.
Auch das Thema Kühlung gewann sichtbar an Bedeutung. Mehrere Beiträge machten deutlich, dass geothermische Systeme zunehmend als ganzjährige Infrastruktur für Heizen und Kühlen betrachtet werden – insbesondere vor dem Hintergrund steigender Anforderungen an sommerlichen Wärmeschutz.
Genehmigungen und Bohrtiefen bleiben Schlüsselfragen
Großen Raum nahm zudem die Diskussion um regulatorische Hürden ein. Besonders intensiv wurde über die bisher geltenden Bohrtiefenbegrenzungen in Bayern gesprochen. Nachdem das Thema bereits beim Forum 2025 politische Aufmerksamkeit erhalten hatte, berichteten die Beteiligten nun über konkrete Fortschritte bei der Entwicklung neuer Lösungsansätze.
Diskutiert wurden unter anderem regionale Gebietskulissen, neue Qualitätsstandards für Bohrungen sowie wissenschaftliche Begleitprozesse. Insgesamt war spürbar, dass sowohl Behörden als auch Branche an praktikablen Lösungen arbeiten, um zusätzliche Potenziale für die Erdwärmenutzung zu erschließen.
Positiv bewertet wurde in diesem Zusammenhang auch das Geothermie-Beschleunigungsgesetz, das Ende 2025 in Kraft getreten ist. Die neuen Regelungen sollen Genehmigungsprozesse vereinfachen und geothermische Projekte rechtlich stärken.
Branche professionalisiert sich weiter
Neben politischen und regulatorischen Fragen wurde in Sengenthal auch deutlich, wie stark sich die Branche strukturell weiterentwickelt. Projekte wie der vorgestellte „Erdwärmemonitor“ zeigen, dass die Geothermiebranche zunehmend datenbasiert arbeitet und ihre Marktentwicklung systematisch analysiert. Ziel ist es, Trends entlang der gesamten Wertschöpfungskette frühzeitig sichtbar zu machen – von Planung und Genehmigung bis hin zu Bohrunternehmen, Materialherstellern und Wärmepumpenabsatz.
Die Stimmung unter den Teilnehmenden war insgesamt konstruktiv und zuversichtlich. Zwar wurden bestehende Herausforderungen – etwa Fachkräftemangel, Genehmigungsdauer oder Investitionssicherheit – offen angesprochen. Gleichzeitig überwog der Eindruck, dass die Geothermiebranche inzwischen deutlich breiter aufgestellt ist als noch vor wenigen Jahren und ihre Rolle innerhalb der Wärmewende zunehmend selbstbewusst definiert.
