Kommunale Wärmeplanung: Neue Auswertungen zum Stichtag
Am 30. Juni 2026 endete für Städte mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern die erste gesetzliche Frist zur Erstellung einer kommunalen Wärmeplanung. Im Nachlauf zu diesem Stichtag sind neue Auswertungen erschienen, die zeigen, wie weit die Wärmeplanung in Deutschland inzwischen vorangekommen ist – und an welchen Stellen noch Nachbesserungsbedarf besteht.
Die Ergebnisse zeichnen in den verschiedenen Publikationen grundsätzlich ähnliches Bild: Wärmepumpen und Wärmenetze bilden die zentralen Säulen der künftigen Wärmeversorgung. Gleichzeitig rücken mit der wachsenden Zahl abgeschlossener Wärmepläne zunehmend deren Qualität, realistische Annahmen und die anschließende Umsetzung in den Mittelpunkt.
Fraunhofer ISE und Öko-Institut: Wärmepumpen und Wärmenetze prägen die Zielbilder
Fraunhofer ISE und Öko-Institut haben im Projekt KOMpare 377 Wärmepläne für 938 Kommunen ausgewertet. Demnach sollen Wärmepumpen und Wärmenetze 2045 in den betrachteten Planungen zusammen rund vier Fünftel der Wärmeversorgung abdecken.
Bei den Wärmenetzen bestehen jedoch noch Informationslücken: Nur für etwa die Hälfte der untersuchten Kommunen liegen Angaben zur künftigen Wärmeerzeugung vor. Zwar wird die konkrete Ausgestaltung neuer Wärmenetze später, etwa in BEW-geförderten Machbarkeitsstudien, vertieft. Dennoch können Angaben zu möglichen Wärmequellen bereits im Wärmeplan eine wichtige Orientierung geben.
Das zeigt sich besonders bei der angenommenen Biomasse-Nutzung: In 63 Prozent der untersuchten Kommunen übersteigt der geplante Verbrauch biogener Energieträger das lokal ausgewiesene Potenzial. Wasserstoff spielt dagegen insgesamt nur eine ergänzende Rolle und ist vor allem für industrielle Anwendungen und Spitzenlasten in Wärmenetzen vorgesehen.
BBSR: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt bereits mit Wärmeplan
Auch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat zum Stichtag einen neuen Halbjahresbericht vorgelegt. Mit Stand 30. Juni 2026 hatten bundesweit 2.836 Gemeinden ihre Wärmeplanung abgeschlossen. Das entspricht 26,3 Prozent aller Gemeinden: Eine Verdopplung gegenüber Ende 2025. Weitere 4.419 Kommunen befanden sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Planungsprozess. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung – 55,6 Prozent – lebe damit bereits in einer Kommune mit abgeschlossenem Wärmeplan.
Bei den Großstädten hatten nach der BBSR-Erhebung 72 von 83 Städten mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ihre Wärmeplanung fristgerecht abgeschlossen. Die übrigen Pläne sollen nach Einschätzung des BBSR überwiegend noch im Laufe des Jahres 2026 folgen.
Die Auswertung macht zugleich deutlich, dass mit Abschluss der Planung die eigentliche Umsetzung erst beginnt. Mehr als die Hälfte der untersuchten Großstadtpläne setzt 2045 als Zieljahr an, rund ein Drittel bereits 2040. Damit gewinnen realistische Annahmen zum künftigen Wärmebedarf, zur Sanierung des Gebäudebestands und zum Ausbau der notwendigen Infrastrukturen an Bedeutung. Das gilt insbesondere dort, wo umfangreiche Wärmenetzgebiete vorgesehen sind.
Für Gebäudeeigentümerinnen und Gebäudeeigentümer ist entscheidend, dass ausgewiesene Wärmenetzgebiete eine belastbare Orientierung bieten. Wo ein Anschluss erst sehr langfristig oder nur unter unsicheren Voraussetzungen realisierbar erscheint, müssen diese Unsicherheiten transparent werden. Erst dann kann die kommunale Wärmeplanung ihre Funktion als Orientierung für Investitionsentscheidungen erfüllen.
Zum Halbjahresbericht gelangen Sie hier.
KWW aktualisiert den Stand der Wärmeplanung
Das Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende (KWW) hat seine Daten zum Stand der kommunalen Wärmeplanung im Juli aktualisiert. Im Wärmewendeatlas lässt sich der aktuelle Planungsstand einzelner Kommunen nachvollziehen; für viele Kommunen sind dort auch veröffentlichte Wärmepläne direkt verlinkt.
