Koalitionsausschuss: Verteilnetze rücken stärker in den Fokus

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Die Koalition hat ein Verteilnetzpaket bis Ende des Jahres angekündigt. Aus Sicht des BWP ist das ein wichtiges Signal: Für Wärmepumpen, Elektromobilität, Speicher und Industrie ist ein moderneres Stromnetz zentrale Voraussetzung – zugleich muss der weitere Kostenanstieg für Verbraucher begrenzt werden.

Netzausbau als Standort- und Wärmewende-Thema
Der Koalitionsausschuss von CDU/CSU und SPD hat sich auf ein Maßnahmenpaket für „Aufschwung und Beschäftigung“ verständigt. Neben Steuer-, Arbeitsmarkt- und Bürokratiefragen enthält das Paket auch energiepolitisch relevante Beschlüsse zum Verteilnetzausbau und zur Digitalisierung der Stromnetze. Die Bundesregierung ordnet das Paket insgesamt als Reform- und Wachstumsprogramm ein; bereits im Vorfeld war der Koalitionsausschuss als wichtiger Termin für konkrete Reformvorhaben beschrieben worden.

Für die Wärmepumpenbranche ist insbesondere der angekündigte Fokus auf die Verteilnetze relevant. Im Beschlusspapier heißt es: „Erneuerbare Energien und Speicher, Industrieanlagen, Rechenzentren, Ladeinfrastruktur, Wärmepumpen – alle wollen an das Stromnetz angeschlossen werden.“ Die Koalition kündigt an, bis Ende des Jahres ein Verteilnetzpaket auf den Weg zu bringen, um Netzausbau, Modernisierung, Digitalisierung und Finanzierung zu verbessern. Ziel sei es, die Realisierungszeit von Netzprojekten zu halbieren.

Digitalisierung senkt Systemkosten

Der BWP bewertet die angekündigten Schritte grundsätzlich positiv. Eine konsequente Digitalisierung der Verteilnetze ist eine Grundvoraussetzung für intelligente Sektorkopplung: Wärmepumpen, Speicher, Photovoltaik, Elektromobilität und flexible Verbraucher können nur dann effizient zusammenspielen, wenn Netzzustand, Verbrauch und Erzeugung besser erfasst und gesteuert werden.

Dazu passt die Ankündigung, den Smart-Meter-Rollout nachzuschärfen. Bis Ende 2030 sollen mehr als 90 Prozent der relevanten Messstellen ausgestattet sein. Zusätzlich ist ein kostengünstiges „Smart Meter Light“ für Kundinnen und Kunden vorgesehen, die nicht unter den verpflichtenden Rollout fallen. Außerdem sollen Daten zu Netzausbau, Netzauslastung und Netzanschlusskapazitäten standardisiert auf einer zentralen Plattform verfügbar gemacht werden.

Gerade für Planung, Netzanschluss und Betrieb von Wärmepumpen kann mehr Transparenz erhebliche Vorteile bringen. Netzbetreiber, Handwerk, Energieberater, Stadtwerke und Kundinnen und Kunden benötigen verlässliche Informationen, wenn Investitionen in Elektrifizierung zügig umgesetzt werden sollen.

Finanzierungsfrage bleibt entscheidend

Bei aller Zustimmung zur Beschleunigung bleibt die Finanzierungsfrage zentral. Der Investitionsbedarf in den Verteilnetzen ist erheblich – nicht nur wegen neuer Anforderungen durch Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur, Speicher und erneuerbare Energien, sondern auch wegen lange verschobener Modernisierungs- und Instandhaltungsaufgaben. Die angekündigte Verbesserung der Finanzierungsmöglichkeiten ist daher ein wichtiger Punkt im Beschlusspapier.

Zugleich dürfen Verbraucherinnen und Verbraucher nicht ungebremst in einen weiteren kurzfristigen Anstieg der Netzentgelte laufen. Schon heute machen Steuern, Abgaben, Umlagen und Netzentgelte einen erheblichen Teil des Strompreises aus; die Netzentgelte allein liegen inzwischen bei rund zehn Cent pro Kilowattstunde. Für Investitionen in Wärmepumpen ist der Strompreis jedoch ein entscheidender Faktor.

Aus Sicht des BWP braucht es deshalb politische Lösungen, die langfristig sinnvolle Netzinvestitionen planbar finanzieren und die Kosten fair über einen längeren Zeitraum verteilen. Investitionen in leistungsfähige Netze sind nachhaltig: Sie erhöhen Versorgungssicherheit, stärken Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten und ermöglichen wirtschaftliches Wachstum durch Elektrifizierung.

Entlastungen müssen ankommen

Das Verteilnetzpaket ist damit nicht nur energiepolitisch, sondern zunehmend auch sozialpolitisch relevant. Wenn die Elektrifizierung des Wärmemarktes gelingen soll, müssen angekündigte Entlastungen beim Strompreis tatsächlich bei Haushalten und Unternehmen ankommen.

Neben dem Verteilnetzpaket enthält das Beschlusspapier auch eine Änderung bei der steuerlichen Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen: Diese soll von 20 auf 15 Prozent sinken, entsprechend von bislang bis zu 1.200 Euro auf künftig bis zu 900 Euro pro Jahr. Für private Investitionen in Modernisierung und Gebäudetechnik ist das ein relevanter Punkt, auch wenn die konkrete Wirkung von der weiteren Ausgestaltung abhängen wird.

Für den Wärmepumpenmarkt bleibt die Richtung entscheidend: Netze müssen schneller ausgebaut, intelligenter betrieben und fair finanziert werden. Dann können Investitionen in Wärmepumpen, Speicher und weitere elektrische Anwendungen nicht nur Klimaschutz ermöglichen, sondern auch Wertschöpfung, Versorgungssicherheit und Wachstum stärken.

Das Bild zeigt ein modernes Gebäude mit einer beeindruckenden Architektur, beleuchtet in den Abendstunden. Die Fassade besteht aus einem Mix aus Beton und Glas. Im Vordergrund ist ein Platz mit Pflastersteinen und einige grüne Flächen zu sehen.