Von der Leyen: Europas Zukunft soll elektrisch werden
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat in ihrer Rede zur Lage der Europäischen Union die Elektrifizierung zu einem zentralen Baustein für Europas Wettbewerbsfähigkeit und Energieunabhängigkeit erklärt. Bis 2040 soll sich der Anteil von Strom am europäischen Energiemix verdoppeln.
In ihrer State-of-the-Union-Rede am 16. September in Straßburg stellte von der Leyen die Energiepolitik in einen engen Zusammenhang mit Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und der strategischen Unabhängigkeit Europas. Strukturell hohe Energiepreise seien mit Europas Anspruch, ein starker Industriestandort zu bleiben, nicht vereinbar.
Als wesentliche Ursache verwies die Kommissionspräsidentin auf die weiterhin hohe Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern. Europa müsse deshalb stärker auf bezahlbare und in Europa erzeugte saubere Energie setzen.
Stromanteil soll sich bis 2040 verdoppeln
Besonders deutlich wurde von der Leyen beim Thema Elektrifizierung: „For this independence, we need to electrify Europe.“ Ziel sei es, den Anteil von Strom bis 2040 zu verdoppeln. Dadurch könne Europa seine Ausgaben für den Import fossiler Energieträger nach Angaben der Kommissionspräsidentin um 260 Milliarden Euro pro Jahr reduzieren.
Die dafür benötigte Stromerzeugung soll zunehmend aus heimischen Energiequellen stammen. Von der Leyen nannte unter anderem erneuerbare Energien und Kernenergie sowie Biomethan. Im vergangenen Jahr seien in Europa mehr als 80 Gigawatt neue erneuerbare Erzeugungsleistung installiert worden.
Der Ausbau der Erzeugung allein reicht nach Einschätzung der Kommission allerdings nicht aus. Sechsmal so viel Kapazität wie zuletzt neu installiert worden sei, warte derzeit noch auf einen Netzanschluss. Von der Leyen forderte deshalb schnellere Investitionen in die Stromnetze, beschleunigte Netzanschlüsse und einen stärkeren Ausbau von Speichern. Ihr Fazit: „Let's make Europe's future electric. This is a must.“
Elektrifizierung rückt auch den Wärmesektor in den Fokus
Für den Wärmesektor ist die angekündigte stärkere Elektrifizierung von besonderer Bedeutung. Wärmepumpen ermöglichen es, erneuerbaren Strom effizient für die Wärmeversorgung von Gebäuden und in weiteren Anwendungen einzusetzen und dabei den Verbrauch importierter fossiler Brennstoffe zu ersetzen.
Aus Sicht des BWP unterstreicht die Rede damit die strategische Bedeutung der Wärmepumpe für die europäischen Energie- und Klimaziele. Wenn die EU den Stromanteil am Energieverbrauch bis 2040 tatsächlich verdoppeln will, kommt der Elektrifizierung der Wärmeversorgung eine zentrale Rolle zu. Voraussetzung dafür sind neben dem Ausbau von Erzeugung, Netzen und Speichern auch verlässliche Rahmenbedingungen, die Investitionen in elektrische Anwendungen ermöglichen.
Von der Leyen bekräftigte zugleich, dass die Europäische Union an ihren Klimazielen festhalten werde. Trotz der Herausforderungen der Transformation gebe es daran keinen Zweifel: Europa könne und müsse seinen eingeschlagenen Kurs fortsetzen.
