Gründerzeit-Villa heizt mit Erdwärme

Gründerzeit-Villa heizt mit Erdwärme

23. November 2016

Eine Villa aus dem 19. Jahrhundert und eine Erdwärmepumpe mit Sonde – passt das zusammen? Zwar wird bereits jeder dritte Neubau mit einer Wärmepumpe beheizt, beim Heizungstausch in Bestandsgebäuden bleiben die meisten Sanierer jedoch bei einer konservativen Lösung mit Gas oder Öl. Bauherr Claus-Heinrich Röhreke entschied sich bei der Sanierung seiner Gründerzeit-Villa in Berlin-Lichterfelde 2015 für die umweltfreundliche Alternative. Das Ergebnis überzeugt: Die ehemals kaum mehr bewohnbare Villa aus der Berliner Gründerzeit ist heute ein modernes Mehrfamilienhaus. Für ein gutes Gewissen sorgt die CO2-freie Wärme aus dem Erdreich.

Gründerzeit-Villa Außenansicht mit Rasenfläche
Die Villa aus der Gründerzeit wird heute mit Wärme aus dem Erdreich versorgt.
Kelleransicht mit Wärmepumpe und Vortragendem
Bernhard Dreßlers Unternehmen hat 2015 die Erdbohrungen durchgeführt.

Die Villa am Bassermannweg in Berlin-Lichterfelde sticht heute architektonisch hervor. Kenner verorten den Baustil korrekt in der Gründerzeit – die Villa stammt aus dem Jahr 1888. Als Investor Röhreke die Immobilie 2015 besichtigte, befand sich das Haus in einem desolaten Zustand. Da sich unsanierte Wohnungen wegen der hohen Betriebskosten nur schwer vermieten oder verkaufen lassen, entschied sich Röhreke für eine umfassende energetische Sanierung. Da ohnehin der Dachstuhl angehoben werden musste, konnte im Zuge der Sanierungsarbeiten eine neue Dachgeschosswohnung realisiert werden. Der Altbau beinhaltet heute sechs Wohnungen mit einer Gesamtmietfläche von 600 m², die allesamt mit Fußbodenheizung und Handtuchtrockner ausgestattet sind. 

Für das energetisch ertüchtigte Gebäude wünschte sich Röhreke eine effiziente und nachhaltige Heizung: Zum Einsatz kommt nun eine Hochtemperaturwärmepumpe mit einem 800-Liter-Pufferspeicher und einem 750-Liter-Warmwasserspeicher. Sie verfügt über eine Heizleistung von 27,4 kW.

Die Wärmepumpe nutzt Doppel-U-Erdwärmesonden, die über sechs je 100m tief reichende Bohrungen den Untergrund als Energiequelle erschließen. Unterhalb von 10m Tiefe beträgt die natürliche Temperatur des Gesteins etwa 10 Grad Celsius. Erdwärmesonden können im Winter zum Heizen und im Sommer zum Kühlen genutzt werden. Auch die Warmwasserbereitstellung erfolgt über die Wärmepumpe. Um die Wärme aus dem Erdreich auf Heizniveau anzuheben, benötigt die Wärmepumpe etwas Strom.

Die hocheffiziente Erdwärmepumpe wandelt eine Kilowattstunde Strom im Jahresdurchschnitt in mehr als vier Kilowattstunden Wärme um und spart so rund 10,5 Tonnen CO2 pro Jahr gegenüber einer Gas-Brennwertanlage ein. In Kombination mit einer Photovoltaikanlage oder Ökostrom heizt eine Wärmepumpe sogar klimaneutral. Wer heute den nach historischem Vorbild gestalteten Garten sieht, ahnt nichts von den Bohrarbeiten vor wenigen Jahren. Der Aufwand hat sich gelohnt.

Bauherren, die sich heute für eine energetische Sanierung mit Erdwärme entscheiden, erhalten vom Staat bis zu 9.300 Euro Fördergelder. 

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