Untersteller: „Wir brauchen eine Energiewende im Heizungskeller“

30Juli2013

Schwendi. Dass die „Energiewende auch im Heizungskeller“ realisiert werde, wünschte sich heute der baden-württembergische Umweltministers Franz Untersteller bei seinem Besuch bei der Max Weishaupt GmbH, eines der führenden Unternehmen für Brenner, Brennwerttechnik, Solar, Wärmepumpen und Gebäudeautomation in Schwendi.

Bei einem Fachgespräch diskutierten der Minister, Vertreter des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP) e. V. und der Firma Weishaupt, wie moderne Wärmepumpen zur Energiewende beitragen und Strom- und Wärmemarkt sinnvoll verknüpfen könnten. „Schließlich eignen sich moderne Wärmepumpen als schaltbare Verbraucher hervorragend zum Ausgleich schwankender Stromeinspeisungen, etwa durch Photovoltaik- oder Windkraftanlagen. Gezieltes Lastmanagement mittels Wärmepumpen – egal ob als Eigenverbrauchslösung oder in einem Smart Grid – bedeutet mehr Netzstabilität und verstärkt die effiziente Nutzung von Erneuerbarem Strom“, zeigt der BWP-Vorstandsvorsitzende Paul Waning überzeugt. BWP-Geschäftsführer Karl-Heinz Stawiarski bestätigte, dass man branchenweit ein steigendes Verbraucherinteresse an Wärmepumpensystemen bemerke, die durch intelligente Steuerungstechnik den selbstproduzierten Solarstrom vom eigenen Dach für die Heizung oder Warmwasserbereitung nutzen. Das sei „Lastmanagement im Kleinen“, das man gerade im „Solarland Baden-Württemberg“ dringend benötige.

Weil in dem sonnenreichen Bundesland die Einspeisung der vielen Photovoltaikanlagen insbesondere mittags häufig über dem aktuellen Strombedarf liegt, wird der heimisch produzierte Ökostrom dann oft günstig ins Ausland verscherbelt. Andernfalls droht eine Überlastung der Netze. Zukünftig könnten auch verstärkt Anlagen bei einer Überproduktion vom Netz genommen werden. Man könnte diesen „Überschussstrom“ stattdessen aber auch sinnvoll nutzen, um Wärmepumpen zur emissionsfreien Heizung oder Warmwasserbereitung zu betreiben, rechnet BWP-Geschäftsführer Karl-Heinz Stawiarski vor: „So könnten bei jährlich 100 gezielten Zuschaltungen von je zwei Stunden Dauer rund 20 Millionen Liter Heizöl [1]ersetzt werden.“ Wächst der Wärmepumpen-Bestand in Baden-Württemberg, steigt dieses Potenzial weiter.

Durch ein „Smart Heat“-Modellprojekt“ könnte in Baden-Württemberg ein völlig neuer Absatzmarkt für Erneuerbaren Strom entstehen. „Für viele Haushalte würde durch smarte Wärmepumpen die CO2-freie Heizung zur Realität und Baden-Württemberg zum Vorreiter der Energiewende“, fasst Waning zusammen. Zudem könne die Flexibilisierung der Stromnachfrage durch Wärmepumpen - neben dem Netz- und Speicherausbau - eine kostengünstige Option zur Stabilisierung der heimischen Netze darstellen. Der Minister versprach, die interessanten Ansätze des BWP auf Machbarkeit zu prüfen: „Wärmepumpen können einen bedeutenden Beitrag zur Umsetzung der Energiewende liefern.“

Auch wenn intelligente Stromnetze aktuell noch Zukunftsmusik sind, überzeugt die Wärmepumpe durch ihre hervorragende Klimabilanz. Eine Anfang des Jahres erschienene Studie der TU München bescheinigt der Technologie schon heute eine Einsparung von fossiler Primärenergie und Treibhausgasen von bis zu 50 Prozent gegenüber einer Ölheizung.  Karl-Heinz Stawiarski weist darauf hin, dass sich die Klimabilanz beständig verbessere, weil der Anteil Erneuerbarer Energien im Strommix fortlaufend steige: „Wärmepumpen sind das einzige Heizsystem, das von alleine immer umweltfreundlicher wird.“ Eine Wärmepumpe, die mit Ökostrom betrieben wird, arbeitet sogar schon jetzt vollkommen CO2-frei.

Mit einem klaren Bekenntnis zur Geothermie endete das Fachgespräch. „Die oberflächennahe Geothermie kann am richtigen Platz und bei fachgerechter Planung und Ausführung wesentlich zur Verbesserung der Energieeffizienz im Heizungsbereich beitragen“, zeigte sich der Minister überzeugt.

Die Vertreter des BWP erklärten, dass sich die Branche mit der 2011 begonnenen Qualitätsoffensive auf dem richtigen Weg befinde. Das Maßnahmenpaket gewährleiste, dass sich auch in Baden-Württemberg mit seinen anspruchsvollen geologischen Voraussetzungen Probleme wie in Staufen nicht einmal ansatzweise wiederholen werden. Auch der Firmeninhaber Dipl.-Ing. Siegfried Weishaupt unterstützt den weiteren Ausbau der Nutzung der oberflächennahen Geothermie. „Eine professionelle Bohrung unter Berücksichtigung aller geologischen Qualitätskriterien ist der Garant für eine hocheffiziente Nutzung einer Wärmepumpe. Wir begrüßen deshalb die Initiative, die bereits ergriffenen Maßnahmen zur Qualitätssicherung  konsequent fortzuführen und zu erweitern.“  

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Bundesverband Wärmepumpe e.V. (BWP)

Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V. ist ein Branchenverband mit Sitz in Berlin, der die gesamte Wertschöpfungskette umfasst: Im BWP sind rund 600 Handwerker, Planer und Architekten sowie Bohrfirmen, Heizungsindustrie und Energieversorgungsunternehmen organisiert, die sich für den verstärkten Einsatz effizienter Wärmepumpen engagieren. Unsere Mitglieder beschäftigen im Wärmepumpen-Bereich rund 5.000 Mitarbeiter und erzielen über 1,5 Mrd. Euro Umsatz.

 

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[1] Berechnungsgrundlage: 600 MWh x JAZ 3,2= 1920 MWh Wärme, multipliziert mit den 100 Schaltungen und geteilt durch den Brennstoffgehalt von Öl (Laut Agora Studie verfügt Baden-Württemberg derzeit über eine installierte elektrischen Anschlussleistung von rund 300 MW. Bei einer Sperrzeit von üblicherweise 2 Stunden könnten also jeweils 600 MWh Strom eingespeichert werden. Die Wärmepumpen mit einer angenommenen Durchschnitts-JAZ von 3,2 erarbeiten daraus 1920 MWh Wärme.)