St. Blasien wird „Kommune für Klimaschutz“ 2011

27September2011

1. Preis für Christuskirche in St. Blasien | 2. Preis für Elternhaus der Kinderklinik in Regensburg | 3. Preis für AWA Ammersee in Herrsching am Ammersee

Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e. V. hat heute in Nürnberg auf dem 9. Forum Wärmepumpe die „Kommunen für Klimaschutz“ 2011 prämiert. St. Blasien im Südschwarzwald erhielt für die Umrüstung der Christuskirche auf 100 Prozent Erneuerbare Energien den ersten Preis, die Preise 2 und 3 gingen an das Elternhaus der Kinderklinik in Regensburg sowie an die AWA Ammersee in Herrsching am Ammersee. „Bei den zahlreichen hervorragenden Bewerbungen fiel uns die Entscheidung schwer. Alle prämierten kommunalen Wärmepumpen-Objekte erfüllen eine Vorbildfunktion und setzen ein Zeichen für das klimafreundliche und zukunftssichere Heizen mit Wärmepumpen“, erklärt BWP-Geschäftsführer Karl-Heinz Stawiarski. Der Wettbewerb ist Bestandteil der bundesweiten Wärmepumpen-Kampagne „Zeichen setzen – Wärme pumpen“ des BWP.

Weil die neue Technologie effizient sein sollte, darüber hinaus aber auch noch Kosten sparend und ökologisch auf der Höhe der Zeit, entschied sich die evangelische Christusgemeinde St. Blasien im Südschwarzwald beim Austausch der alten Ölheizung für eine Wärmepumpenanlage. Das an ein Schwarzwaldhaus erinnernde Gebäude von 1936 war 1989 abgebrannt, wurde aber 1991 nach den ursprünglichen Plänen wieder aufgebaut. „Es kommen immer wieder Leute vorbei – angemeldet oder auch nicht –, die sich für die Luft-Wärmepumpenheizung interessieren“, sagt Andreas Fritz, stellvertretender Vorsitzender des Kirchengemeinderats. Die Wärme, welche über Luftregister in die Kirche gelangt, ist nicht nur umweltverträglich, sondern auch sehr angenehm, weil das Kirchenschiff sehr langsam aufgeheizt wird, wodurch die Luft nicht so stark austrocknet. Der Schritt in die Moderne hat sich gelohnt. „Obwohl wir einen harten und langen Winter hatten, konnten wir 40 Prozent Heizkosten gegenüber der alten Ölheizung einsparen“, sagt Andreas Fritz. In acht bis zehn Jahren, so schätzt Fritz, werden sich – steigende Ölpreise vorausgesetzt – die Investitionskosten von rund 30 000 Euro für die Luftwärmepumpe amortisiert haben. Für die Umwelt rechnet sich das aber allemal: Der Strom, der für den Betrieb der
Wärmepumpe notwendig ist, stammt zu 100 Prozent aus heimischer Wasserkraft. Für Pfarrer Traugott Weber hat die neue Heizung in seiner Kirche Symbolcharakter: „Wir müssen alle verantwortlich mit der Schöpfung umgehen“, sagt er, und da sei der Einsatz von regenerativen Energien ein erster Schritt.

Symbolcharakter hat auch das Elternhaus der Kinderklinik in Regensburg für Eltern, deren Kinder in der direkt nebenan errichteten Uniklinik behandelt werden müssen. Die Entscheidung zugunsten der Wärmepumpenanlage erklärt Architekt Manfred Blasch aus Regensburg: „Es war der unbedingte Wunsch des Bauherren, zukunftssicher, wirtschaftlich und nachhaltig zu bauen. Aktueller Stand der Technik ist die Wärmepumpe.“ Der örtliche Energieversorger Rewag übernimmt die Investition in die Technik und verkauft die Wärme bzw. Kälte in Form eines Contracting-Modells. Drei Wärmepumpen in Kaskadenschaltung, unterstützt von einer Lüftungs- und Solarthermieanlage, decken die Wärmeversorgung, die Warmwasserversorgung und die Kühlung des Gebäudes ab. Die – je nach Jahreszeit – Wärme- oder Kältequelle Erdreich erschließen 28 Erdwärmesonden mit 70 bis 90 Meter Länge. „Dadurch, dass überschüssige Wärme im Sommer in das Erdreich geleitet wird, profitieren Nutzer gleich doppelt“, weiß Andreas Krüger von dem Energieversorgungsunternehmen Rewag. „Einerseits ist eine kostengünstige Kühlung mit relativ wenig Energieeinsatz möglich. Andererseits hilft diese Energie dem Erdreich, aus dem wir in kälteren Monaten ja die Wärme gewinnen, weil wir es so an warmen Sommertagen zusätzlich ‚aufladen‘.“

Den 3. Platz belegt ein Gebäude aus dem Baujahr 1955 mit einer vorbildlich modernisierten Heizungsanlage: Im Herrschinger Verwaltungs- und Betriebsgebäude der AWA-Ammersee ersetzt seit Oktober 2010 eine Wasser/Wasser-Wärmepumpe mit 37 kW Heizleistung und einer Jahresarbeitszahl von 5,04 die alte Ölheizung. Für erneuerbaren Strom sorgt die Solarstromanlage auf dem Gebäudedach. Der Primärenergiebedarf liegt nach der energetischen Sanierung 70 Prozent unter den Anforderungen der Energieeinsparverordnung EnEV 2009 für Neubauten. „Die Investition in den aktiven Klimaschutz unter Einbeziehung von regenerativen Energien beendet die CO2-Emissionen am Standort, reduziert die Energiekosten langfristig und steigert den Gesamtwert der Immobilie“, erklärt Installateur-Meister Heinz Bittmann, der die Anlage geplant und umgesetzt hat.

Die evangelische Christuskirche in St. Blasien ist auch außerhalb der Schwarzwaldgrenzen bekannt und inzwischen zu einem kleinen Wallfahrtsort für Liebhaber origineller Sakralbauten geworden

Das Elternhaus in Regensburg beherbergt Eltern, deren Kinder im Krankenhaus behandelt werden. Für Komfort sorgt die Wärmepumpen-Lösung, die energiesparend und klimaschonend heizt, kühlt und Warmwasser bereitet. 

Im Herrschinger Verwaltungs- und Betriebsgebäude der AWA-Ammersee ersetzt eine Wasser/Wasser-Wärmepumpe die alte Ölheizung. Für erneuerbaren Strom sorgt die Solarstromanlage auf dem Gebäudedach. Der Primärenergiebedarf liegt nach der energetischen Sanierung 70 Prozent unter den Anforderungen der Energieeinsparverordnung EnEV 2009 für Neubauten.