Risiko von Geothermieschäden liegt bei 0,002 Prozent

05November2014

Eine Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) zeigt, dass das Risiko, durch eine Geothermiebohrung in Baden-Württemberg einen Schaden zu verursachen, äußerst gering ist. Dr. Martin Sabel, Referent für Geothermie und stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe e.V., begrüßt die systematische Schadensanalyse als wichtige Voraussetzung für einen aufgeklärten Umgang mit dem Risikopotenzial von Erdwärmebohrungen: „Einige wenige unglücklich verlaufene Bohrungen, die allesamt vor Einführung der aktuell vorgeschriebenen Qualitätssicherungsmaßnahmen durchgeführt wurden, beschädigen bis heute das Image dieser effizienten und umweltfreundlichen Energiegewinnung. Die Ursachen für die entstandenen Schäden lassen sich eingrenzen, durch anspruchsvolle Qualitätsstandards und neue Technologien kann das bei jeglicher Bautätigkeit vorhandene Restrisiko eines Schadens auf ein absolutes Minimum reduziert werden.“

Bis Ende 2013 wurden in Baden-Württemberg mehr als 30.000 Erdwärmebohrungen durchgeführt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schadensfall auftritt war dabei nur sehr gering. Die Forscher des Instituts für Angewandte Geowissenschaften (AGW) des KIT berechneten, dass die Wahrscheinlichkeit bei 0,002 Prozent pro Jahr liegt. „Im Vergleich dazu liegt die Wahrscheinlichkeit, an den Folgen der Luftverschmutzung durch Kohlekraftwerke zu sterben, in Deutschland bei 0,003 Prozent pro Jahr, die Wahrscheinlichkeit, in Deutschland bei einem Verkehrsunfall tödlich zu verunglücken liegt sogar bei 0,007 Prozent pro Jahr“, sagt Manuel Grimm, Forscher des KIT und Hauptautor der Studie.

Die Karlsruher Forscher nahmen für die Studie neun Schadensfälle, die durch Erdwärmebohrungen entstanden waren, unter die Lupe. Qualitativ und quantitativ werteten sie unter anderem bekannte Fälle wie Staufen oder Leonberg aus. Sie nutzten die Daten des Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB), Daten von Landratsämtern, Gutachten und Veröffentlichungen für Ihre Untersuchungen. Diese ergaben, dass in 90 Prozent der Fälle zuvor getrennte Grundwasserleiter durch auf- oder absteigende Wässer miteinander verbunden wurden. In der Folge traten Hebungs- oder Setzungsprozesse ein, die daraus entstandenen Schäden sind bekannt.

Erdwärmebohrungen sind heute sicherer als je zuvor

Dr. Sabel weiß, dass Bohrunternehmen aufgrund von neuen Technologien und Qualitätsstandards solche Schäden vermeiden können: „Alle Schadensfälle, die eindeutig ursächlich mit Erdwärmbohrungen in Zusammenhang stehen,  ereigneten sich als  Folge  von Bohrungen, die Bohrunternehmen, vor 2008 durchführten. Das Umweltministerium Baden-Württemberg hat danach zusammen mit dem Landesamt Baden-Württemberg und mit Unterstützung der Branche die Leitlinien Qualitätssicherung Erdwärmesonden (LQS EWS) erarbeitet, an den sich die Bohrunternehmen halten müssen. Seitdem sind keine gravierenden Schadensfälle mehr aufgetreten.“

BWP engagiert sich für Erdwärme-Qualitätsstandards

Der BWP engagiert sich fortlaufend für den Erhalt und die Ausweitung  dieser Qualitätsstandards. So bietet er zum Beispiel in seinem PraxisForum Erdwärme regelmäßig Schulungen für Bohrunternehmen an, die den Vorgaben der DVGW entsprechen. Der BWP nimmt zudem nur solche Bohrunternehmen als Mitglieder in den Verband auf, die bestimmte Qualitätskriterien erfüllen. Endkunden erhalten durch eine spezielle Versicherung, die Gewissheit, dass Sie im Schadensfall nicht für die Folgen aufkommen müssen, selbst wenn die Schuldfrage nicht unmittelbar zu klären ist. Mitglieder des BWP nehmen freiwillig an einem vom BWP etablierten Auditverfahren teil und gestatten damit jederzeit eine unangekündigte Fremdüberwachung ihrer Tätigkeiten. Auch BWP-Mitgliedsunternehmen engagieren sich, indem sie etwa neue Verfahren in der Ringraumverfüllung entwickeln, die hydraulische Verbindungen von Gesteinsschichten effektiv verhindern. „Ich begrüße es sehr, dass nun auch eine wissenschaftliche Studie belegt, dass geeignete Qualitätssicherungsmaßnahmen die Erdwärmenutzung auch in geologisch anspruchsvollem Terrain zu einer sehr sicheren Technologie machen.“