Energieeffizienz als entscheidende Säule der Energiewende

14November2014

Bereits zum zwölften Mal trafen sich gestern und heute Vertreter von Politik, Wissenschaft und Industrie in Berlin zum „Forum Wärmepumpe“, das als größter deutscher Branchentreff mit einem interessanten Vortragsprogramm rund um die Nutzung von Umweltenergie aufwartete. Der zweite Veranstaltungstag stand dabei wie üblich ganz im Zeichen der Erdwärme.

An beiden Tagen zogen sich „Energiewende“ und „Energieeffizienz“ als zentrale Schlagworte durch das gesamte Vortragsprogramm, für das mit Thorsten Herdan, Abteilungsleiter Energiepolitik - Wärme und Effizienz im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, und den beiden MdB Carsten Müller und Dr. Georg Nüßlein drei ausgewiesene Fachpolitiker als Referenten gewonnen wurden.

In seiner Eröffnungsrede erlaubte sich der BWP-Vorstandsvorsitzende Paul Waning  eine kritische Rückschau auf das erste Jahr der Großen Koalition. Diese sei mit viel Elan gestartet, aber dennoch hinke Deutschland seinen Zielvorgaben hinsichtlich der CO2-Reduktion und der Sanierungsquote im Gebäudebestand hinterher. Nur eine sektorenübergreifende Strategie für die Energiewende und ein geeignetes Maßnahmenpaket für den bislang sträflich vernachlässigten Wärmesektor könne die Bundesrepublik hier wieder auf Kurs bringen, mahnte Waning. Neben förderpolitischen Anreizen müsse auch ein faires Energiepreisgefüge dazu beitragen, das große Potenzial der Wärmepumpe für die Energiewende  zu erschließen: „Flexible Wärmepumpensysteme sind das ideale Bindeglied zwischen Strom- und Wärmemarkt, da sie nach dem Power-to-Heat-Prinzip angebotsgesteuert große Mengen erneuerbaren Stroms aufnehmen und thermisch zwischenspeichern können. So könnten Wärmepumpen einen wichtigen Beitrag leisten, mehr erneuerbare Energien in den Wärmemarkt zu bringen“, erläuterte der BWP-Vorstandsvorsitzende.

Auch Dr. Rolf Martin Schmitz, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der RWE AG, machte in seinem Grußwort deutlich, dass die Verbindung der Energiemärkte dringend notwendig sei, da die steigenden Erzeugungskapazitäten für volatilen Wind- und Solarstrom dies unbedingt erforderlich machten. „Keine Energiewende ohne Wärmewende und keine Wärmewende ohne den Einsatz von Wärmepumpen“, forderte der RWE-Mann.

Dr. Rolf-Micheal Lüking vom Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) sieht in der Umstellung auf Strom als Endenergie einen entscheidenden Effizienzhebel. Der Wissenschaftler erläuterte in seinem Vortrag: „Die Elektrifizierung des Verbrauchs – auch im Wärmesektor – ist neben der Reduktion des Nutzenergiebedarfs und dem Ausbau des regenerativen Energieangebotes eine tragende Säule der Energiewende.“

„Energieeffizienz einschalten!“

„Energieeffizienz einschalten!“ forderte passend dazu der Bundesverband Wärmepumpe in einer öffentlichkeitswirksamen Fotoaktion, bei der erste Details der neuen Wärmepumpen-Kampagne vorgestellt wurden. Die Kampagne stellt ab 2015 drei Jahre lang die Themen Energieeinsparverordnung (EnEV), Energielabel und Heizungssanierung in den Fokus einer Vielzahl von Informationsangeboten für Verbraucher und Fachhandwerk.

Der ab nächsten September verpflichtenden Energiekennzeichnung widmeten sich am ersten Veranstaltungstag gleich zwei Fachreferenten: Marcos González-Álvarez beleuchtete die Verordnungen zu Ökodesign (ErP) und Labelling aus Sicht der EU-Kommission während Egbert Tippelt von der Viessmann Deutschland GmbH das Thema besonders praxisnah aufzog – und damit den Nerv der Branche traf, wie auch schon die Podiumsdiskussion zuvor nahelegte:

Unter Moderation von Hermann Falk (BEE) erörterten Vertreter von Industrie, Politik und Wissenschaft den EU-Fahrplan für die Wärmewende und wie Ökodesign und Energiekennzeichnung den Wärmemarkt verändern werden. Als eine „historische Chance“ bezeichnete Dr. Kai Schiefelbein von Stiebel Eltron die anstehenden Reformen und erläuterte: „Da Wärmepumpen extrem sparsam mit den primärenergetischen Ressourcen umgehen, profitiert die Technologie von den verschärften Standards und der verbesserten Transparenz durch das gemeinsame Energielabel.“ Doch sei das Regelwerk für die Effizienzkennzeichnung durch die Vielzahl der verschiedenen Label und Stichtage sehr unübersichtlich und vom Fachpartner schwer in die Praxis zu übertragen.  Industrie und Verbände seien deshalb gefordert, dem Handwerk geeignete Hilfestellungen zu leisten, erklärte Schiefelbein.

Das Energielabel ist eine Jahrhundertchance für die Wärmepumpe wenn es der Branche gelingt, das Handwerk ins Boot zu holen

Dass beim Handwerk hinsichtlich der ordnungsrechtlichen Reformen noch einige Informationslücken bestehen, offenbarte schließlich auch der Vortrag von Hans-Arno Kloep von der Querschiesser Unternehmensberatung. Deren Befragung von 2295 SHK- und Elektro-Fachbetrieben im September/Oktober diesen Jahres, zeigte, dass rund die Hälfte der Betriebe bisher noch nichts von der Energiekennzeichnungspflicht für Heizgeräte gehört hat. Der Informationsgrad verhält sich dabei proportional zur technischen Exzellenz des Handwerkers. Unentschieden zeigten sich die Handwerker, ob das Label dem Kunden eine Auswahlhilfe sein wird und ob es dem Handwerk eine Verkaufshilfe sein wird.

Die gleiche Erhebung kommt zu einer insgesamt positiven Prognose für die wirtschaftliche Entwicklung der SHK-Branche im nächsten Jahr. Grund seien zum einen die volkswirtschaftlichen Rahmendaten, zum anderen die äußerst positiven Wachstumsprognosen des Handwerks, erläuterte Kloep und ergänzte: „Etwa sechs von zehn Unternehmen erwarten nach dem schon sehr positiven laufenden Geschäftsjahr für 2015 eine weitere Verbesserung.“ Allerdings deckelten Fachkräfte- und Nachwuchsmangel die Kapazitäten im Handwerk, dies wirke sich insbesondere im Heizungssegment aus. Auch der niedrige Ölpreis bremse hier die Nachfrage insbesondere in der Heizungssanierung. Da der Thermentausch, bisher des Handwerkers Liebling, damit dramatisch an Nachfrage und Attraktivität verliere, gebe es zwei denkbare Szenarien, so Kloep: „Entweder, die Handwerker, die mit Badaufträgen ausgestattet sind, lassen das Heizungsgeschäft sein – was zu einem Umsatzrückgang von - 12 Prozent im Segment Heizung führen würde – oder der Industrie gelingt es, die Umsatzerwartung Richtung Wärmepumpe umzuleiten und sogar auszubauen.“

Vor dem Hintergrund dieser und einer Vielzahl an bemerkenswerten Präsentation zeigte sich BWP-Geschäftsführer Karl-Heinz Stawiarski optimistisch, dass seine Branche die Herausforderungen der kommenden Jahre meistern wird: „Wir wissen, dass elektrische Wärmepumpen bei der neuen EnEV und beim Energielabel besser abschneiden als alle Wettbewerbsprodukte. Diese Jahrhundertchance werden wir mit geeigneten Maßnahmen und Mitteln für unsere Branche zu nutzen wissen.“

Informations-Kampagne „Bauen auf Erdwärme

Im Rahmen des Forums stellte der BWP auch die Kampagne „Bauen auf Erdwärme“ vor, die von den Mitgliedern des Erdwärme-Ressorts getragen wird. Erdwärme-Planer, -Bohrer und die Zulieferindustrie wollen im Rahmen der mehrjährigen Kampagne auf die Vorzüge der besonders effizienten Erdwärmenutzung  aufmerksam machen. Herzstück der Kampagne ist die Internetseite www.bauen-auf-erdwaerme.de. Hier finden Verbraucher praxisnahe Informationen, können sich vorbildliche Referenzanlagen anschauen und nach Experten in Ihrer Nähe suchen. Kampagnenpartner können auf der Website eine Reihe von individualisierbaren Broschüren und Marketing-Materialien bestellen. Im kommenden Jahr wird im Rahmen der Kampagne eine komplette Erdwärmeanlage verlost. Bewerben können sich Besitzer von Altbauten, die bereit sind, den gesamten Planungs- und Installationsprozess medial begleiten zu lassen.