Effizienz trifft klassische Moderne

22März2012

Lisa Kraft ist eine anspruchsvolle Frau. „Ich will Effizienz, Komfort und Ästhetik unter einen Hut bekommen. Und zwar gleichberechtigt.“ Dass ihr hoher Anspruch tatsächlich funktioniert, beweist die selbständige Architektin mit Bauten, deren Optik klare Linien und harmonische Proportionen prägen.

Damit auch die inneren Werte stimmen, sorgt modernste Haustechnik dafür, dass der gehobene Wohnkomfort, den sich Krafts Bauherren zumeist wünschen, besonders energiesparend realisiert werden kann. Der Clou: Man sieht den Häusern ihre moderne Energietechnik erst auf den zweiten Blick an, denn die Architektin legt schon bei der Planung viel Wert auf eine dezente Integration der Anlagen.

„Für mich sind Solarkollektoren und Fotovoltaikanlagen keine stilbildenden Elemente, die ich offensiv präsentieren möchte. Mein Ziel ist die optimale Verbindung von Effizienz und Ästhetik im Sinne einer klassisch modernen Architektur“, erläutert Lisa Kraft. Auch das Domizil, das die Architektin 2007 für sich und ihre fünfköpfige Familie entwarf, vereint Tradition und Innovation auf vorbildliche Weise. Das im Stil der Klassischen Moderne errichtete Gebäude, das auf seinen 400 qm auch das Architekturbüro beherbergt, ist technisch selbstverständlich auf neuestem Stand – ohne jedoch sein modernes Innenleben sofort preiszugeben.
Beispielsweise verhindert eine automatische Verschattungsanlage, dass die Räume im Sommer überhitzen. Zugleich strukturieren die Sonnenblenden die Fassade und fügen sich so auch optisch gelungen in die schnörkellose Architektur des Hauses ein. Die hauseigene Fotovoltaikanlage wurde hingegen auf einem in das Flachdach integrierten Ständer montiert. So bleiben die Module trotz ihres idealen Neigungswinkels gleich ganz den Blicken der Bewohner und Besucher verborgen.

Auch dass der inmitten eines malerischen Weinbaugebietes gelegene Bau mittels einer Luft/ Wasser-Wärmepumpe beheizt wird, lässt die Hausansicht jedoch zunächst nur erahnen. Dem kundigen Betrachter mag auffallen, dass das Haus ohne Schornstein auskommt. Doch die Wärmepumpe findet er wohl kaum: Sie wurde von Lisa Kraft geschickt in die – zugegebener Maßen recht weitläufigen – Außenanlagen integriert.
Wenn Bauherren aufgrund beengterer Grundstückssituationen eine optische Trennung – beispielsweise zwischen Aufenthaltsbereich und Anlage – wünschen, empfiehlt die Architektin eine Gabionenwand. Diese Drahtsteinmauern erfüllen nicht nur hohe ästhetische, sondern auch funktionale Ansprüche. Je nach verwendeter Schüttung können die mit Natursteinen gefüllten Drahtgitterkörbe als geschmackvoller aber effektiver Sicht-, Wind- und Schallschutz eingesetzt werden. Deshalb und aufgrund der flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten eignen sich Gabionen auch ideal zur Abtrennung von Terrassen im Reihenhausbereich oder für den Einsatz an der Grundstücksgrenze. Je nach Geschmack können die Drahtkörbe auch begrünt werden.

Eine weitere Alternative sei die Wahl eines Split-Gerätes. „Bei diesem kompakten Anlagentypus können die Wärmepumpe im Hausinneren installiert und Ventilator und Verdampfer getrennt von der Wärmepumpe auf dem Dach aufgestellt werden. Das Dach planen wir dann von Anfang an so, dass das Gerät  für den Betrachter nicht zu sehen ist“, erläutert Lisa Kraft. Die Wärmepumpenbranche habe zudem auf die steigende Nachfrage reagiert und insbesondere in den letzten beiden Jahren eine Reihe sehr effizienter, doch kompakter Split-Geräte auf den Markt gebracht.

Die vom Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e. V. erhobenen Absatzzahlen für 2011 bestätigen den Trend zur Split-Anlage: Auch wenn konventionelle Monobloc-Wärmepumpen mit über 20.000 verkauften Geräten noch immer die Nase vorn haben, verzeichnet die Branche mit 12.400 Split-Geräten ein gutes Viertel (26,5 Prozent) Umsatzzuwachs gegenüber dem Vorjahr – so viel wie in keinem anderen Segment. Insgesamt stieg der Wärmepumpenabsatz um 11,8 Prozent auf 57.000 Anlagen. Wenn die politischen Rahmenbedingungen passen, könne der Wärmepumpenabsatz bis 2030 auf 300.000 Geräte im Jahr steigen, hat der Verband errechnet.
Wenig überraschend, dass Lisa Kraft auch beruflich auf die Wärmepumpe setzt: „Wir bauen mittlerweile zwei von drei Häuser mit Wärmepumpe, Tendenz steigend“, so die Architektin. Aber das sei auch kein Wunder: „Es handelt sich um ein sparsames und sauberes System, das mich unabhängig von fossilen Energieträgern macht und nahezu ohne Wartungsarbeiten auskommt.“ Für die Hausbewohner sei die Anlage weder zu hören noch zu sehen. Nur zu fühlen: „Selbst in sehr kalten Wintern haben weder meine Familie, meine Mitarbeiter noch ich selber auch nur einen einzigen Tag gefroren“.