Da freuen sich Klein und Groß

02Mai2012

Mit Wärmepumpen lassen sich Kitas zuverlässig, umweltfreundlich und kostengünstig beheizen. So fühlen sich die Kinder wohl und auch die Erwachsenen haben etwas davon.

„Für unsere Kleinsten wollen wir nur das Beste!“, sagt Gerhard Jauernig. Der Oberbürgermeister der Stadt Günzburg ist stolz auf seine neueste Kita, das Kinderhaus Hagenweide. Vor zweieinhalb Jahren beschloss die Stadt, die alte baufällige Kita durch ein modernes Gebäude zu ersetzen. Einige Debatten, intensive Planungen und zwölf Monate Bauzeit später kann sich das Ergebnis mehr als sehen lassen: Entstanden ist ein schneeweißer, quadratischer Zweigeschosser mit Schlaf-, Bewegungs- und Lernräumen. Hier kann nun zeitgemäße pädagogische Betreuung gewährleistet werden. Ausgedehnte Grünflächen laden im Sommer zum Toben ein.

Unter den Wiesen verbirgt sich modernste Technik. 36 Erdspiralsonden sind dort vergraben und nehmen die im Boden gespeicherte geothermische Energie auf. Eine Sole/Wasser-Wärmepumpe nutzt diese Energie zur Beheizung der Kita. Eine Fußbodenheizung verteilt die Wärme gleichmäßig im Gebäude. Das in Passivhaus-Bauweise errichtete Gebäude erfüllt energetisch höchste Standards.

Friedrich Bobinger, Leiter des städtischen Gebäudemanagements, ist von dem Konzept überzeugt: „Die Heizung mit Erdwärme ist nach unserer Auffassung eine der umweltfreundlichsten, wenn nicht die umweltfreundlichste Art, ein Gebäude zu beheizen.“ Zusammen mit der Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach und der Lüftung über Wärmerückgewinnung ist das Gebäude nahezu CO2-neutral. „Am Anfang gab es zwar durchaus Kritik wegen der höheren Investitionskosten. Aber die machen sich bezahlt, denn unsere Kita verbraucht rund 80 Prozent weniger Energie als ein vergleichbares Gebäude in Standardbauweise“, so Bobinger. Neben dem Betreiber sind auch die Nutzer glücklich mit dem Neubau und seiner innovativen Technik. „Wir fühlen uns hier rundum wohl“, so Kita-Leiterin Monika Hirning.

In Wiernsheim, nordwestlich von Stuttgart, denkt man ähnlich wie in Günzburg. Die Wiernsheimer sehen sich als Vorreiter bei der Energiewende. Die Kleinen will man dabei von Anfang an mitnehmen. Und so steht seit 2009 in Wiernsheim der bundesweit erste Plus-Energie-Kindergarten, der mehr Energie produziert als er verbraucht. Unter dem Gebäude befinden sich zwei 90 Meter tiefe Sonden, die die geothermische Energie anzapfen. Über eine Wärmepumpe wird diese an die Oberfläche transportiert und für die Gebäudeheizung verwendet. „Mit unserem Kindergarten haben wir ein Vorzeigeobjekt geschaffen, auf das wir stolz sein können“, so Bürgermeister Karlheinz Oehler.

Wärmepumpen, eine Solar-Anlage auf dem Dach, Wärmerückgewinnung – die Liste der energiesparenden Maßnahmen ist lang. Doch die Investitionen haben sich gelohnt: Das Gebäude ist vollkommen CO2-neutral und schont zudem die Gemeindefinanzen. Mit einer Ölheizung wären die Heizkosten mehr als doppelt so hoch gewesen. Ermöglicht wird dies unter anderem mit der hocheffizienten Wärmepumpe, die mit 1 kWh elektrischer Antriebsenergie 4,6 kWh Wärme liefert.

Karlheinz Oehler sieht seine Gemeinde mit dem Projekt auf einem guten Weg: „Als Kommune müssen wir aufs Geld achten und trotzdem Großprojekte wie die Energiewende und den Kita-Ausbau schultern. Wir zeigen, dass diese Quadratur des Kreises möglich ist. Und die Kinder finden es sowieso toll, dass ihre Kita Wärme tief aus der Erde holt.“

Günzburg und Wiernsheim – in beiden Kommunen sieht man sich mit den modernen Wärmepumpen-Kitas als Vorbild. Friedrich Bobinger empfiehlt anderen Gemeinden, diesem Beispiel zu folgen: „Wir haben mittlerweile sehr gute Erfahrungswerte mit dieser hocheffizienten Bauweise und Wärmepumpen gesammelt und beurteilen die Übertragbarkeit als sehr gut!“