Sektorkopplung als Chance für die Energiewende in NRW

31August2016

Der Klimavertrag von Paris verpflichtet zur konsequenten Energiewende in den Sektoren Strom, Wärme und Mobilität. Der LEE NRW sieht hier deutlichen Handlungsbedarf und fordert einen verstärkten Einsatz für den klimafreundlichen Umbau der Energieversorgung in NRW.

Podiumsdiskutanten
BWP-Geschäftsführer Karl-Heinz Stawiarski äußert sich zur Sektorkopplung.

Bisherige Maßnahmen der Energiewende zielten vorwiegend auf den Stromsektor. Die meiste Energie wird jedoch in den Sektoren Wärme und Mobilität verbraucht. Der LEE NRW fordert deswegen schon seit Jahren ein verstärktes Engagement zur intelligenten Nutzung regenerativ erzeugten Stroms im Wärme- und Mobilitätsbereich. Andreas Lahme, Vorsitzender des LEE NRW, bekräftigt diesen Appell an eine konsequente Energiewende in seiner Begrüßungsrede auf dem jährlichen LEE-Sommerempfang: „Denken wir die Energiewende zu Ende, kann nur ein ganzheitlicher Ansatz zum Erfolg führen. Wir brauchen Anreize und Rahmenbedingungen, die verstärkt auf den Ausbau Erneuerbarer Energien und moderne Technologien setzen. Regionale Wertschöpfung, zukunftsfeste Arbeitsplätze und gewinnbringende Innovationen können dann den nordrhein-westfälischen Strukturwandel vorantreiben. Damit tragen wir zum Klimaschutz bei und stützen die hiesige Wirtschaft.“ Auf der Veranstaltung, die sich vornehmlich dem Thema Sektorkopplung widmete, war auch BWP-Geschäftsführer Karl-Heinz Stawiarski als Podiumsteilnehmer dabei.

Podiumsdiskutanten

Mit rund 33 Prozent Anteil Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch ist Deutschland Spitzenreiter der G20-Staaten. 80 Prozent des Energieverbrauchs entfallen allerdings auf den Verkehrs- und Wärmesektor. Hier dominieren weiterhin die fossilen Energien, während Erneuerbare nur auf 13 Prozent im Wärme- bzw. 5 Prozent im Verkehrsbereich kommen. Somit stammen in Deutschland immer noch mehr als 85 Prozent der verbrauchten Energie aus fossilen Quellen. Eine erfolgreiche Energiewende setzt also eine Wärme- und Verkehrswende voraus. Ohne einen starken Ausbau Erneuerbarer Energien und eine zielgerichtete Kopplung der drei Sektoren Strom, Wärme und Mobilität, sind die angestrebten Klimaziele NRWs und Deutschlands nicht zu schaffen. „Weltweit boomen die Investitionen in Erneuerbare. Im vermeintlichen Vorreiterland der Energiewende Deutschland, sind die Investitionen dagegen stark rückläufig. Wir sollten uns nicht abhängen lassen und jetzt die Chance ergreifen! Ökologie und Ökonomie können durch die Energiewende optimal verknüpft werden. Im industriell geprägten NRW spielen Unternehmen und die Wirtschaft dabei eine maßgebliche Rolle. Mit den richtigen Rahmenbedingungen kann NRW viel bewegen“, so Andreas Lahme.

Podiumsdiskutanten

Der LEE NRW hält fünf zentrale Maßnahmen für eine erfolgreiche Sektorenkopplung für erforderlich:

  • Ein verstärkter Ausbau Erneuerbarer Energien ist notwendig, um einen hohen Anteil regenerativer Energie im Stromsektor und zur Deckung der zusätzlichen Stromnachfrage im Wärme- und Mobilitätsbereich zu erreichen. 
  • Es bedarf eines kontinuierlichen Ausbaus von elektrisch geführten Heizsystemen (Wärmepumpen, E-Heizkessel) samt Wärmespeichern. Gleichzeitig muss in den Ballungsräumen der Aufbau effizienter Nahwärmenetze mit einer zunehmenden Einspeisung von Erneuerbaren Energien einhergehen. 
  • Die Elektromobilität muss gefördert und intermodale Angebote müssen ausgebaut werden, für die entsprechende marktseitige Maßnahmen erforderlich sind. 
  • Bestehende steuer- und abgabenrechtliche Hürden für eine verstärkte Verknüpfung der Sektoren müssen abgebaut werden. Abgaben für im Wärme- und Mobilitätssektor genutzten Strom müssen gesenkt, bzw. höhere Abgaben und Umlagen auf fossile Brennstoffe im Wärme- und Verkehrssektor durchgesetzt werden. Hierzu ist die Einführung einer CO2-Steuer sinnvoll. 
  • Gleichzeitig muss eine gesamtkostenneutrale Dynamisierung bestimmter Preisbestandteile im Strompreis erfolgen: Durch eine Dynamisierung der Umlagen oder Abgaben werden Verbraucher dazu angehalten, ihren hauptsächlichen Strombedarf in Zeiten mit niedrigen Preisen zu verschieben oder dahingehend zu flexibilisieren, wenn ein Überangebot an Strom vorhanden ist. In Zeiten mit Stromknappheit wird hingegen der Strombedarf heruntergefahren.