Braucht CO2 (s)einen Preis?

Braucht CO2 (s)einen Preis?

06. April 2017

In Fachkreisen wird derzeit sehr intensiv über Möglichkeiten debattiert, die Energiepreise besser im Sinne von CO2-Einsparung und Sektorkopplung umzugestalten. Wohin könnte die Reise gehen?

CO2-Schriftzug mit Erdkugel als O
Bildquelle: alexlmx / Fotolia

Das Umweltbundesamt (UBA) hat es einmal ausgerechnet: Jede Tonne CO2 verursacht Kosten in Höhe von circa 80 EUR. Das wirkt erst einmal recht abstrakt, ist aber einleuchtend: Der Klimawandel verursacht Naturkatastrophen (Überschwemmungen, Dürren etc.), er vernichtet damit Ernten, zerstört Häuser und Infrastruktur, sorgt für Flucht und Konflikte. Zudem versuchen sich Menschen, an den Klimawandel anzupassen, z.B. durch Deichbau. Jede Tonne CO2 hat damit „ihren Preis“ – also Kosten, die sie indirekt für die Gesellschaft verursacht. 

Diese Kosten werden aber nicht von den Verursachern getragen. Betrachtet man die heutigen Energiesteuern/Abgaben/Umlagen, mit denen der Staat verschiedene Energieträger belastet, als eine Art impliziten CO2-Preis, wird dies deutlich:

  • Strom 185 EUR/Tonne
  • Diesel 58 EUR/Tonne
  • Erdgas 18 EUR/Tonne
  • Heizöl 8 EUR/Tonne

(Quelle: Agora Energiewende)

Deutlich wird, dass – außer beim Strom – kein Energieträger die Folgekosten seines CO2-Ausstoßes trägt. Deutlich wird auch, dass ausgerechnet der zunehmend saubere Strom diskriminiert wird. Dies ist ein großes Problem, macht er doch klimafreundliche elektrische Anwendungen wie Wärmepumpen weniger wirtschaftlich. Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) macht seit Jahren auf diese Fehlentwicklung aufmerksam.

Eine stärkere Ausrichtung der Belastung von Energieträgern anhand ihres CO2-Gehalts wird daher als effektives Mittel angesehen, eine stärkere Marktdynamik zugunsten CO2-armer Technologien und Energien zu bewirken. Derzeit gibt es viele Vorschläge dazu.

Am 23. März 2017 fand in Berlin eine Veranstaltung des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft zum Thema CO2-Preise statt, die u.a. vom BWP unterstützt wurde. Dort betonte Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth, dass eine Neuausrichtung des Steuern- und Abgabensystems eine dringende Aufgabe der kommende Bundesregierung wäre, und wiederholte damit entsprechende Äußerungen von Energiestaatssekretär Rainer Baake.  Circa 180 Teilnehmer diskutierten engagiert über Wirkung und Ausgestaltung eines CO2-Preises, BWP-Politik-Ressortsprecher Holger Thamm vertrat dabei engagiert die Seite der Wärmepumpe. Einig war man sich darin, dass die sozialen Aspekte unbedingt mit berücksichtigt werden müssten, um die Akzeptanz eines solchen Konzepts zu erhöhen. 

CO2-Preis – aber wie?

Einen Vorschlag dafür hat der Bundesverband Erneuerbare Energie gemeinsam mit dem BWP sowie den Fachverbänden für Solarenergie, Pellets und Biogas erarbeitet. Das Konzept sieht vor, fossile Heizenergieträger mit 25 EUR/Tonne zu belasten – zusätzlich zu den bestehenden Energiesteuern - und die Einnahmen, nach Schweizer Vorbild, an die Bevölkerung zurück zu verteilen. Dies würde beim Heizöl einen Aufschlag von 0,8 Cent/kWh bedeuten (heute: 4,8 Cent), bei Gas von etwa 0,6 Cent/kWh (heute: 6,5 Cent). Wärmepumpen-Strom wäre dann „nur“ noch 3,7-mal teurer als Heizöl und 3-mal teurer als Erdgas. Heute liegt das Verhältnis bei 4,4 bzw. 3,3. 

Der o.g. Vorschlag kann natürlich nur ein erster Schritt sein. Würde man einen fairen Aufschlag in Höhe der vom UBA berechneten 80 EUR einführen, betrüge der Aufschlag auf Heizöl 2,5 Cent/kWh, auf Erdgas rund 2,0 Cent/kWh. Aber auch erste Schritte wollen gemacht werden. Der BWP hat außerdem selbst schon in seiner Stellungnahme zum Grünbuch Energieeffizienz vorgeschlagen, dass ein CO2-Preis stufenweise eingeführt werden sollte, damit der Markt sich entsprechend anpassen kann und die Verbraucher nicht mit drastischen Preissteigerungen geschockt werden. Dies ist auch im Sinne der Akzeptanz eines solchen Instruments und wurde in Deutschland bei der Öko-Steuer im Kraftstoffbereich auch schon praktiziert. 

Aus Marktsicht ist es aber nicht allein entscheidend, dass die CO2-Kosten eingepreist werden. Wichtig ist vor allem, dass die Preise zu anderen Kaufentscheidungen führen. Klimawandel und Sektorkopplung wären wenig geholfen, würden die Preise für fossile Brennstoffe durch einen CO2-Preis steigen, der Strompreis aber gleichzeitig wegen EEG-Umlage und/oder Netzkosten ebenfalls weiter zulegen. Darum ist es aus Wärmepumpen-Sicht ebenfalls wichtig, dass parallel auch der Strompreis von Belastungen befreit wird. Auch hierzu werden Modelle diskutiert: zum einen die Abschaffung der Stromsteuer (2 Cent/kWh) oder eine (teilweise) geänderte Finanzierung der EEG-Kosten (z.B. aus dem Bundeshaushalt). Auch diese Vorschläge hat der BWP in Gesprächen und Stellungnahmen bereits vertreten. 

Aus Wärmepumpen-Sicht ist es hocherfreulich, dass ein halbes Jahr vor einer Bundestagswahl das Thema Energiepreise, deren Fehlentwicklung von unserer Branche seit Langem bemängelt wird, so viel Aufmerksamkeit findet. Wir werden im aufziehenden Wahlkampf weiterhin – gemeinsam mit unseren Partnern – der Politik Vorschläge und Anregungen liefern. Geplant sind u.a. Veranstaltungen dazu, wie CO2-Preise in anderen Ländern umgesetzt wurden. 

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