Sicherheit durch Qualität (Teil 1)

Geothermie 05. April 2013

Die Energiewende und der Wärmemarkt

Bundesumweltminister Peter Altmaier1 hat in seinem im Juli 2012 veröffentlichten 10-Punkte-Plan die Energiewende als die größte wirtschaftspolitische Herausforderung der Bundesrepublik Deutschland seit dem Wiederaufbau und die größte umweltpolitische Herausforderung überhaupt bezeichnet.

Betrachtet man den Energieverbrauch in Deutschland und Europa, so wird deutlich, dass die Energiewende nur durch eine erfolgreiche Wende am Wärmemarkt gelingen kann: 40% des Energiebedarfs in der Europäischen Union entstehen im Gebäudebereich, davon werden 85% für Raumwärme und Warmwasserbereitung genutzt. Gleichzeitig sind nach Schätzungen des Bundesverbandes Erneuerbare Energie e.V. (BEE) nur etwa 12% der Heizungsanlagen in Deutschland auf dem derzeitigen Stand der Technik, also nicht älter als 10 Jahre, und erreichen einen Wirkungsgrad von >98%. Fossile Energieträger sind trotz aller negativer Prognosen zur Verfügbarkeit und den bekannten Auswirkungen auf das Klima nach Angaben des BEE mit über 90% immer noch die Hauptenergielieferanten für Wärme in Deutschland. Es wird Zeit, die Energiewende im Wärmemarkt konsequent anzugehen und das immense Potenzial der oberflächennahen Geothermie zur Erzeugung von Wärme und damit auch für den Klima- und Umweltschutz zu nutzen.

Erdgekoppelte Wärmepumpen nutzen Umweltwärme, die in unendlicher Menge zur Verfügung steht. Damit spart die Wärmepumpe große Mengen an Primärenergie ein, da sie nur einen kleinen Anteil Strom zum Antrieb benötigt, der zudem zunehmend aus erneuerbaren Quellen stammt. Laut einer Studie der TU München von 20092 spart eine Wärmepumpe ab einer JAZ von 2,0 nicht nur Primärenergie, sondern senkt auch die CO2-Emissionen. Bei einer JAZ von 4,0 sinken sie auf die Hälfte im Vergleich zu einem Gas-Brennwert-Heizsystem.

Ohne jegliches Zutun der Wärmepumpen-Betreiber wird dieser Vergleich in Zukunft noch günstiger ausfallen. Die Gründe hierfür sind energiesparende Stromerzeugung durch effizientere Kraftwerke sowie ein deutlich höherer Anteil an Erneuerbarem Strom. Im ersten Halbjahr 2012 konnten bereits 25 % des Strombedarfs in Deutschland aus regenerativen Quellen gedeckt werden (Quelle: BDEW), im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es lediglich 20,3 %.

In diesem Zusammenhang kommt der fachkundigen Planung und Ausführung insbesondere von erdgekoppelten Wärmepumpenanlagen eine entscheidende Bedeutung zu. Nur bei  einer fundierten Planung und qualitativ hochwertigen Ausführung lassen sich optimale Jahresarbeitszahlen und ein nachhaltiger Betrieb von erdgekoppelten Wärmepumpenanlagen realisieren. Die Bohrarbeiten müssen von qualifizierten Betrieben mit der größtmöglichen Sorgfalt durchgeführt werden, um das Risiko von Schadensfällen wie sie in der Vergangenheit aufgetreten sind auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.

Der Bundesverband Wärmepumpe e.V. hat nach den Schadensfällen, die insbesondere in Baden-Württemberg aufgetreten sind, umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um einen Beitrag zu einem insgesamt höheren Qualitätsniveau bei der Ausführung von Bohrungen für Erdwärmesonden zu leisten. Es wird auch weiterhin das Bestreben des Verbandes sein, das Qualitätsniveau zu sichern und zu verbessern. Da es im Bereich des Tiefbaus keine 100%ige Sicherheit gibt, gilt es das verbleibende Restrisiko abzusichern, auch für den Fall, dass die Schuldfrage nicht unmittelbar zu klären ist. Durch die verschuldensunabhängige Versicherung wird der Bauherr umfassend vor finanziellen Risiken geschützt.

BWPlus: Ein Plus an Qualität

Um ein kontinuierliches Qualitätsniveau im Bereich der oberflächennahen Geothermie zu gewährleisten, bedarf es zunächst eines umfassenden und allgemein verbindlichen Regelwerks, welches die spezifischen Anforderungen möglichst detailliert definiert. Das derzeit noch maßgebliche Regelwerk DVGW-W120 ist für die oberflächennahe Geothermie zu unspezifisch. Konsequenterweise hat man deshalb die spezifischen Anforderungen für die Bereiche Bohrtechnik und oberflächennahe Geothermie (Erdwärmesonden) in einem zweiten Teil zusammengefasst. Das erstellte Arbeitsblatt W120-2 konkretisiert außerdem die Qualifikationsanforderungen und fordert ein Betriebliches Management System (BMS), liegt aber bis heute noch nicht im Weißdruck vor. Um die speziellen Qualitätsanforderungen für die oberflächennahe Geothermie bereits vor dem offiziellen Weißdruck weitestgehend anwenden zu können, hat der BWP e.V. zusammen mit der Zertifizierung Bau GmbH die Qualitätskriterien BWPlus erarbeitet, welche sich inhaltlich an das Arbeitsblatt W120-2 anlehnen. BWPlus macht konkrete Vorgaben zur notwendigen Qualifikation des Personals, zu Anforderungen an die Bohrtechnik sowie zu Anzahl und Beschaffenheit der sicherheitsrelevanten Ausrüstung auf der Baustelle (Schutzverrohrung, Packer, Preventer etc.). Das wichtige Thema Verpressung wird ebenfalls detailliert behandelt. Die Forderung nach einem betrieblichen Managementsystem berücksichtigen die BWPlus-Kriterien in Form einer nachzuweisenden Baustellenplanung und -dokumentation.

Eine Nummer für den Fall der Fälle: Das Notfalltelefon

Kommt es auf einer Geothermie-Baustelle zu einem kritischen Vorfall, ist es wichtig, zügig geeignete Maßnahmen einzuleiten. In Zweifelsfällen oder um sich eine zweite Meinung einzuholen, wurde eine Notfallnummer eingerichtet. Über diese Nummer, die ausschließlich im Notfall genutzt werden sollte, wird der direkte Kontakt zu kompetenten Fachleuten für unterschiedliche Problemfälle hergestellt. Das Expertenteam umfasst Spezialisten für Bohrtechnik, geologische und hydrogeologische Risiken sowie für geophysikalische Fragestellungen. Auch im Falle von Gasaustritten und kritischen Situationen im Zusammenhang mit der Spülungs- und Ausbautechnik stehen kompetente Ansprechpartner zur Verfügung.

Kontinuierliche Weiterbildung

Angesichts des ständigen technologischen Fortschritts sowie geänderter gesetzlicher Vorschriften und Regelungen ist eine kontinuierliche Weiterbildung für die Ausführung qualitativ hochwertiger Anlagen unerlässlich. Der BWP ergänzt das bereits vorhandene Angebot an Fortbildungsmaßnahmen durch praxisnahe Schulungen und PraxisForen. Inhaltlich orientieren sich die Veranstaltungen an den aktuellen Entwicklungen und Problemen der Branche. Thematische Schwerpunkte der Vergangenheit bildeten beispielsweise die Leitlinien Qualitätssicherung Erdwärmesonden in Baden-Württemberg und die mit ihnen verbundenen Anforderungen an Qualifikation und Ausrüstung.


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