"Photovoltaik ist der ideale Partner der Wärmepumpe"

Forschung & Technik 24. Oktober 2013

CO2 Ausstoß einzelner Wärmeerzeuger im Bestand (Quelle: Bundesverband Wärmepumpe (BPW) e.V.)
CO2 Ausstoß einzelner Wärmeerzeuger im Bestand (Quelle: Bundesverband Wärmepumpe (BPW) e.V.)

Sehr geehrter Herr Prof. Quaschning, in den vergangenen Jahren sind die Strompreise stark gestiegen, v.a. durch staatlich verordnete Abgaben und Umlagen. Trotz stetig steigender Effizienzwerte verliert das Heizen mit Wärmepumpen somit Attraktivität gegenüber anderen Heiztechnologien, die häufig mehr CO2 verursachen. Macht diese Politik die Wärmewende kaputt?

Die  Energiewende im Wärmebereich erfolgt viel zu langsam. Für einen wirksamen Klimaschutz muss unsere Energieversorgung in den nächsten 20 bis 30 Jahren ganz ohne fossile Energieträger auskommen. Ohne die Wärmepumpe wird das nicht funktionieren. Die Politik muss dazu die richtigen Weichen stellen. Einige Länder wie Dänemark sind da bereits viel weiter. Dort dürfen keine neuen Öl- und Gasheizungen mehr gebaut werden.

Ist der Betrieb einer Wärmepumpe mit Strom von der eigenen PV-Anlage eine aus Kundensicht wirtschaftlich sinnvolle Lösung, um diesem Problem auszuweichen?

Die Kosten der Photovoltaik sind in den letzten Jahren enorm gefallen. Solarstrom ist inzwischen deutlich preiswerter als Netzstrom und die Kosten für Solarstrom sind über die Lebensdauer der Photovoltaikanlage stabil. Insofern in die Photovoltaik der ideale Partner der Wärmepumpe.

Bietet die Kombination PV + Wärmepumpe auch eine Option, die Stromnetze vor dem Hintergrund einer zunehmend fluktuierenden Stromeinspeisung zu entlasten?

Systeme mit Pufferspeicher können helfen, die Netze deutlich zu entlasten, wenn der Betrieb der Wärmepumpe auf den Bedürfnissen der Netze angepasst wird. Wir müssen aber auch Lösungen entwickeln, den Strombedarf der Wärmepumpen klimaverträglich mit regenerativen Energien zu decken, wenn das Sonnenangebot nicht ausreicht.

Wenn Sie sich etwas wünschen dürften: Welche Maßnahmen sollte die neue Regierung im Hinblick auf eine erfolgreiche sektorenübergreifende Energiewende als erstes anpacken?

Es geht bei der Energiewende um nicht weniger als den Erhalt der Lebensgrundlagen künftiger Generationen. Dafür brauchen wir eine Regierung, die nicht nur über die Energiewende spricht, sondern überhaupt erst einmal den Mut aufbringt, die notwendigen Schritte einzuleiten. Eine Kohlendioxidsteuer, Kohlendioxidgrenzwerte, strengere Auflagen für den Wärmeschutz und die Gebäudesanierung sowie ein Verbot von Ölheizungen wären nur einige Maßnahmen, die dringend erforderlich sind.

Das Interview führte Tony Krönert.

Zum Referenten:

Volker Quaschning ist Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin. Er ist Autor mehrerer einschlägiger Bücher zu Erneuerbaren Energien und weit über 100 Zeitschriftenbeiträge und ist Träger mehrerer renommierter Wissenschaftspreise. Mehr Infos unter www.volker-quaschning.de


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