Großwärmepumpen auf dem Vormarsch

Forschung & Technik 23. August 2013

Dr. Hansueli Bruderer spricht beim 11. Forum Wärmepumpe zum Thema Großwärmepumpen.
Dr. Hansueli Bruderer spricht beim 11. Forum Wärmepumpe zum Thema Großwärmepumpen.

Sehr geehrter Herr Bruderer, neben den gängigen Haushaltswärmepumpen rücken auch Großwärmepumpen zunehmend in den Fokus. Was sind im Vergleich die technischen Besonderheiten?

Um die größere Heizleistung zu erbringen, sind Großwärmepumpen häufig mit zwei oder mehr Kompressoren bzw. Kältekreisen ausgestattet. Je größer die Wärmepumpe umso eher werden Schrauben- statt Scroll- oder Hubkolbenkompressoren eingesetzt. Für Einspritzventile, Stromversorgung, etc. wird flexible Elektronik eingesetzt. Die Anlagen werden häufig fernüberwacht durch den Kundendienst des Herstellers. Neben den Standardtypen gibt es auch „taylor made“-Wärmepumpen, die präzise auf die Anwendung konstruiert, gebaut und - sofern der Betrieb ausgerüstet ist - im Werk geprüft werden. Das Herstellerwerk muss zudem gemäß anwendbarer Druckgeräterichtlinie zertifiziert sein.

 

Welche Einsatzfelder gibt es für Großwärmepumpen?

Großwärmepumpen werden immer häufiger multifunktional eingesetzt, beispielsweise für Raumheizung, Raumkühlung, Warmwasserproduktion, Poolheizung, Prozesskühlung (z.B. Gärprozess von Wein). Die Regelung von solchen anspruchsvollen Sytemen erfolgt durch SPS- oder ähnlich variabel programmierbaren Steuerungen. Anwendungsfelder sind größere Wohnbauten, ganze Arealüberbauungen, Büro-, Hotel- und andere Dienstleistungsgebäude, Abwärmenutzung in gewerblichen Betrieben, etc. Im Rahmen der Energiediskussionen werden weltweit die Erneuerbaren Energien immer mehr auch für Großbauten gefordert. Dazu eigenen sich Wärmepumpen oft ganz besonders.

 

Was muss man bei der Planung solcher Anlagen beachten?

Insbesondere bei multifunktionalen Anlagen ist die umfassende Funktionsbeschreibung – was passiert wann? – Schlüssel dafür, dass das System elegant ausgelegt werden kann und die bestmöglichen Effizienzwerte COP und EER gewährleistet sind. Bei wirklich großen Anlagen, wie wir sie z.B. für das Universitätsspital Bern oder in Seoul, Korea geliefert haben, ist der Leitungsauslegung und -führung auf Primär- und Sekundärseite sowie der Einbringung wegen der ungewöhnlichen Dimensionen Beachtung zu schenken. Aufgrund von Energieflussberechnungen muss das System für die verschiedenen Betriebsfälle ggf. mit Speichern und Rückkühlern in Balance und Funktionsbereitschaft gehalten werden können.

 

Zum Referenten:

Dr.-Ing. Hansueli Bruderer ist Geschäftsführerer der KWT Kälte-Wärmetechnik AG, einem Tochterunternehmen der Viessmann Group, die sich auf die Herstellung von Großwärmepumpen spezialisiert hat. Zuvor war der passionierte Segler u.a. Geschäftsführerer der SATAG sowie von Viessmann in der Schweiz und in China.


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