Erneuerbare Wärme fördern

Forschung & Technik 22. Juli 2013

Greg Barker, britischer Minister für Energie und Klimawandel (Quelle: Guardian)
Greg Barker, britischer Minister für Energie und Klimawandel (Quelle: Guardian)

Der „Renewable Heat Incentive“ ist eines der wichtigsten Instrumente der derzeitigen britischen Koalitionsregierung um ihre ambitionierten Ziele im Bereich der Erneuerbaren Energien zu erreichen. Dabei war lange Zeit unklar, ob die Maßnahme, die 2009 noch von der damaligen Labourregierung angekündigt worden war, jemals umgesetzt werden würde. Am 12. Juli hat der britische Minister für Klimawandel, Greg Barker, nun endlich erste Details zur genauen Ausgestaltung der RHI bekannt gegeben.

Wie funktioniert der RHI?

Ab dem geplanten Start des RHI im Frühling 2014 wird Erzeugern von erneuerbarer Wärme über einen Zeitraum von 7 Jahren ein fester Tarif für jede erzeugte Kilowattstunde an erneuerbarer Wärmeenergie bezahlt werden. Der RHI fördert dabei folgende Technologien:

         Luftwärmepumpen (7,3 pence/kWh)*

         Erd- und Wasserwärmepumpen (18,8 pence/kWh)

         Biomasse (12,2 pence/kWh)

         Solarthermie (19,2 pence/kWh)

*Zunächst gültige Tarife in Klammern, Details zur Ausgestaltung und Höhe der geplanten Degression sind noch nicht bekannt.

Um den RHI-Tarif zu erhalten, muss ein Kunde zunächst den Gesamtwärmebedarf seines Gebäudes bestimmen lassen. Auf dessen Grundlage wird die Höhe der RHI-Zahlungen ermittelt.

Anhand einer errechneten Jahresarbeitszahl wird der Beitrag erneuerbarer Energie zur Deckung des Gesamtwärmebedarfs des Gebäudes berechnet, denn nur dieser ist förderfähig. Wärmezähler sind mit Ausnahme von bivalenten oder hybriden Systemen bzw. nicht ganzjährig genutzten Wohnungen nicht nötig.

Bei einem jährlichen Gesamtwärmebedarf von z. B. 20.000 kWh beträgt die Höhe der Zahlungen bei einer Luftwärmepumpe mit einer angenommenen Jahresarbeitszahl von 3 jährlich 973£. (20.000kWh Gesamtwärmebedarf x (1-1/3) = 13.333kWh; 13.333kWh x 0.073£/kWh = 973£)

Für eine Erdwärmepumpe mit einer angenommenen Jahresarbeitszahl von 4 erhält man bei gleichem Wärmebedarf hingegen 2820£ jährlich.

Eine zusätzliche Pauschalzahlung von £ 230 pro Jahr (ebenfalls über 7 Jahre) erhält man für die Installation eines fortgeschrittenen Zähler- und Monitoringsystems, welches wie ein Servicevertrag funktionieren soll.

Was ist vom RHI zu erwarten?

Die Reaktionen der Industrie auf die Ankündigung der RHI-Tarife waren bis auf kleinere Kritikpunkte durchgängig positiv. Es ist davon auszugehen, dass der RHI in den nächsten zwei Jahren eine spürbare Belebung des britischen Wärmepumpenmarktes bewirken wird.

Das Design des RHI ist darauf ausgelegt, die Mehrkosten der geförderten erneuerbaren Heizungs- und Warmwassersysteme gegenüber einer Ölheizung innerhalb von 7 Jahren zu amortisieren. Erste Berechnungen mit Hilfe des Delta-ee Pathways-Modells haben ergeben, dass dieser Zeitraum für eine Luftwärmepumpe zwar um circa ein Jahr überschritten, im Falle einer Erdwärmepumpe aber um ein bis zwei Jahre unterschritten wird. Gepaart mit dem garantierten Einkommensstrom bietet dies hervorragende Investitionsbedingungen.

RHI = Really Happy Industry?

Der RHI ist mit Sicherheit eine nie dagewesene Chance für den Erfolg von Wärmepumpen und anderen erneuerbaren Heizungstechnologien in Großbritannien. Er wird in den nächsten zwei Jahren ein deutliches Marktwachstum auslösen. Allerdings besteht Unsicherheit über die Zukunft des Programms nach den nächsten Parlamentswahlen (das Budget des Programms läuft bis März 2016).

Zunächst einmal hat die Regierung ihre Hausaufgaben aber gemacht, nun liegt der Ball im Feld der Industrie: Die Finanzierung der Investitionskosten z. B. wird für viele Kunden weiterhin eine hohe Hürde bleiben. Hier können innovative Finanzierungsmöglichkeiten zum Erfolg beitragen; zum Beispiel Contractingmodelle, die explizit auch von den RHI-Zahlungen profitieren können. Außerdem muss dem Kunden der Weg zum erneuerbaren Heizungssystem so einfach wie möglich gemacht werden. Hierzu braucht es am besten einen One-Stop-Shop mit einem umfassenden Angebot, von der Bestimmung des Wärmebedarfs über die Finanzierung bis zur Installation. Nicht zuletzt müssen die potenziellen Kunden sowie Installateure und Energieberater über die neuen Tarife und förderbaren Produkte informiert werden. Insbesondere die vielen unabhängigen Installateure an Bord zu holen wird hierbei eine wichtige Rolle spielen.

Bei Fragen können Sie sich jederzeit gerne an den Autor wenden: lukas.bergmann@delta-ee.com, +44 131 625 3332.


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