Erneuerbare drücken ins Netz und auf die Preise

Forschung & Technik 19. Juni 2013

Am 16.6. führten niedriger Verbrauch und hohe Einspeisung zu einem dramatischen Verfall des Börsenstrompreises (Quelle: eex.com)
Am 16.6. führten niedriger Verbrauch und hohe Einspeisung zu einem dramatischen Verfall des Börsenstrompreises (Quelle: eex.com)

Daten der Übertragungsnetzbetreiber zufolge wurden von den benötigten 48.500 MW Leistung 20.300 MW von Solar- u nd 9.300 MW von Windanlagen gedeckt und knackten damit die Marke von 60% Anteil der benötigten Leistung. Experten sehen darin den Nachweis, dass eine regenerative Stromversorgung auch in einem Industrieland wie Deutschland möglich ist.

Die Preise am Spotmarkt EEX in Leipzig wurde durch das entstehende Überangebot massiv nach unten gedrückt und fiel auf -20 Cent/kWh. Dass Verbraucher nicht profitieren, hat mehrere Gründe. Zum einen wird die Differenz zwischen Börsenstrompreis und der im EEG garantierten Vergütung für erneuerbaren Strom über die EEG-Umlage ausgeglichen, die mit fallenden Börsenstrompreisen notwendigerweise steigt. Daneben kommen eine Reihe weiterer Preisbestandteile hinzu (Netzentgelte, Mehrwertsteuer, Stromsteuer etc.), die die Verbraucher zu entrichten haben.

Kritik an dem System übten Naturstrom-Chef Hummel und SPD-Energieexperte Ulrich Kelber. Beide forderten die Einführung von Anreizen, Anlagen bei Überproduktion vom Netz zu nehmen, anstatt den so genannten Geisterstrom zu vergüten.

Wie Thorsten Zoerner auf blog.stromhaltig richtig feststellt, lässt sich jedoch ein Teil dieses Problems durch die entsprechende Steuerung des Verbrauchs beheben. Durch intelligentes Lastmanagement kann Nachfrage von Zeiten niedrigerer in Zeiten mit hoher Einspeisung verlagert werden. Die Technologie dafür ist vorhanden, z.B. Wärmepumpen mit „SG Ready“-Label. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Wind- und PV-Anlagen müssten seltener abgeregelt werden, der Anteil  der Erneuerbaren am Gesamtenergieverbrauch würde daher steigen.
  • Durch die gestiegene Nachfrage fallen die Preise an der Strombörse nicht mehr ins Bodenlose, die Kraftwerksbetreiber müssten ihren Strom nicht mehr verschenken.
  • Die Verbraucher müssten keinen Strom finanzieren, der gar nicht gebraucht wird. Volkswirtschaftliche Verluste würden so vermieden.
  • In bisher vernachlässigten Sektoren – namentlich Wärme und Verkehr – würde die Energiewende vorangetrieben.
  • Die Netzstabilität wird erhöht.

Damit das ganze funktioniert müssen aber die Rahmenbedingungen stimmen, v.a. muss die Abrechnung über Standardlastprofile reformiert und die staatlichen Anteile am Strompreis reduziert werden.


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