Erdwärme ist unverzichtbar

Forschung & Technik 10. Oktober 2013

Prof. Roland Koenigsdorff spricht beim 11. Forum Wärmepumpe zur Zukunft der Erdwärme
Prof. Roland Koenigsdorff spricht beim 11. Forum Wärmepumpe zur Zukunft der Erdwärme

Sehr geehrter Professor Koenigsdorff, welche Potenziale bietet Ihrer Meinung nach die Erdwärme-Nutzung bezüglich der Energiewende-Ziele?

Beim erforderlichen Ausbau der erneuerbaren Energien gilt es, die verschiedenen Energiearten in einem ausgewogenen Mix zu nutzen, so dass ein maximaler Nutzen erreicht wird. Geothermische Energien sind meiner Meinung nach hierbei unverzichtbar.

Quantitativ halte ich mich gerne an die Langfristszenarien, die u. a. meine ehemaligen Kollegen vom DLR seit Jahren für das BMU erarbeiten: Das Potenzial der Geothermie ist bei uns deutlich größer als das der Wasserkraft und liegt bei einem zwar begrenzten, aber signifikanten Anteil an den gesamten erneuerbaren Energien der Zukunft von über 10 %, vielleicht sogar über 15 %.

Die Absatzzahlen für erdgekoppelte Wärmepumpen sind in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Worin liegen Ihrer Meinung nach die Ursachen für diese Entwicklung?

Preise, Kosten, Probleme (mitunter leider auch mit der Qualität) sowie zu kurzfristige und einseitige Sichtweisen. Die Strompreisentwicklung relativ zu z. B. den Gaspreisen ist negativ für Wärmepumpen. Die höheren Investitionskosten für Erdwärmeanlagen gegenüber anderen Systemen, u. a. auch Luft-Wärmepumpen, sind für viele abschreckend. Und nicht zuletzt wirken die aufgetretenen Schadensfälle z. T. verheerend.

Was können bzw. müssen Politik und Verwaltung tun, damit die Erdwärme am Markt wieder erfolgreicher wird?

Offen und offensiv mit Schadensfällen umzugehen ist grundsätzlich richtig und angemessen. Aber man sollte eine wichtige Technologie und Branche in einer kritischen Phase auch unterstützen. Stabilität und Verlässlichkeit, Risiken und Chancen sollten objektiv wahrgenommen und kommuniziert werden.

Fordern <span style="text-decoration: underline;">und</span> Fördern bringt oft am meisten, aber das Gleichgewicht muss stimmen.
Hinsichtlich der Genehmigungspraxis wäre mehr bundesweite Einheitlichkeit und Vereinfachung wichtig.

Die Unterstützung für Forschung und Entwicklung darf gerade jetzt nicht nachlassen.

… und was die Branche?

Investitionskosten begrenzen und Qualität erhöhen durch gute, möglichst einfache und standardisierte Systeme in Standardfällen und verbesserte Planungsmethoden und Systeme für große und komplexe Anlagen.

Mehr Denken im System. Das Erdreich ist nur eine Energiequelle, nicht nur für Wärme, sondern auch für Kälte.

Objektive und neutrale Beratung: Nur wer ergebnisoffen an ein Projekt herangeht und - wenn sachlich geboten - auch einmal von der Erdwärmenutzung abrät, bekäme als Berater mein Vertrauen.

Ein Schuss ins Blaue: Wo steht die Erdwärme-Nutzung in 10 Jahren?

Da ich kein Hellseher bin, mein persönliches Wunsch-Szenario: In 10 Jahren befindet sich  die Erdwärme-Nutzung deutlich jenseits des Tals der gegenwärtigen Probleme und Diskussionen auf einem deutlich stabileren sowie ökonomisch und ökologisch nachhaltigeren Fundament als derzeit. Der Zubau neuer Anlagen erfolgt mit einem moderaten, aber stabilen Wachstum. Es herrscht Konsens, dass die Vorteile der Erdwärme-Nutzung die verbleibenden (nie vollständig vermeidbaren) Risiken und die erforderlichen Investitionen bei Weitem übertreffen.

 Das Interview führte Dr. Martin Sabel.

<hr />

Prof. Dr.-Ing. Roland Koenigsdorff ist Professor für Bauphysik, Simulationstechnik und Energiekonzepte; FuE; Energieberatung an der Hochschule Biberach. Zu den Themenschwerpunkten des Maschinenbauers zählen neben Erdwärme auch energieeffizientes Bauen und Energiekonzepte. Mehr Informationen finden Sie hier.


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