Energiewende > Speichern unter…

Forschung & Technik 01. Februar 2013

Von „einem neuen Geschenk zugunsten der Branche“ spricht DIE ZEIT, verdammt das Vorhaben als überflüssig, gar schädlich. Der Minister schlage die Ratschläge „sämtlicher Experten“ in den Wind. Und als ganz besonderes Bonbon wird ausgerechnet die FDP als PV-Lobby-Verein beschimpft. Die FDP?! Spätestens jetzt sollte man wohl stutzig werden...

Fakt ist: Die Energiewende ist politisch und gesellschaftlich gewollt, ebenso der Ausbau der Photovoltaik. Fakt ist auch, dass sich Sonne (und Wind) nicht nach unseren Verbrauchsgewohnheiten richten. Das belastet die Netze. Soweit geht sogar DIE ZEIT mit.

Ihre Lösung heißt allerdings Netzausbau statt Speicher. Immerhin gäbe es im Jahr - in einem Szenario von 40% Anteil der EE an der Stromerzeugung - ohnehin nur 44 Stunden Überschuss-Strom und die könne man auch ohne Speicher ausgleichen. Diese Zahlen kommen aus einer aktuellen VDE-Studie „Energiespeicher für die Energiewende“.

Ist 40% Anteil das Ziel der Energiewende? Wäre es das, wäre der Begriff „Wende“ wohl eher unangebracht, dann wäre das ganze Projekt höchstens eine „Kurve“. Also 80% sollen es schon werden. Das heißt dann folgerichtig 88 Jahresstunden Überschussstrom, richtig? Mitnichten! Denn die Anzahl der Überschussstunden steigt keineswegs linear mit dem EE-Anteil am Strommix. Dieselbe VDE-Studie geht im 80%-Szenario von mehr als 2300 Stunden (!) jährlich aus, in denen mehr Strom produziert als verbraucht werde. Bei einer Vollstromversorgung auf EE-Basis seien es sogar mehr als 4300 Stunden (Wenn schon zitieren, dann vollständig). Und da soll ein bisschen Netzausbau reichen? Wo wir doch schon heute massiv hinterherhängen und das Bauen einer einzigen Leitung jahrelang durch zig Gremien geplant und jahrelänger durch sämtliche Instanzen geklagt werden muss?

Eine Energiewende wird ohne Speicher nicht funktionieren. Ob die Batteriespeicher die richtige Technologie sind, darüber kann man streiten (Im Übrigen sind nicht „sämtliche Experten“ dagegen. Fraunhofer ISE ist durchaus dafür und – auch wenn das der einhelligen öffentlichen Meinung womöglich widerspricht – auch der BSW ist als Branchenverband nicht gänzlich frei von Fachwissen über Energiewirtschaft). Klar ist: Wie bei der Stromerzeugung braucht es auch bei der Speicherung einen Technologie-Mix.

Neben der elektrochemischen Batterie sind es vor allem thermische Speicheranlagen, die zur Netzstabilisierung herangezogen werden müssen. Der Vorteil: Die Hardware ist bereits verfügbar. So wären z.B. hunderttausende Wärmepumpen-Anlagen in der Lage, durch intelligente Schaltung Überschüsse abzufangen. Das wird heute bereits vielfach praktiziert. Darauf kann und sollte man aufbauen. Der Vorteil dieser Strategie ist nämlich ein doppelter:

Es wird nicht nur vermieden, dass überschüssiger EE-Strom vergeudet oder eventuell Anlagen abgeschaltet werden müssen. Durch die Elektrifizierung des Wärmesektors würden auch Gas-Ressourcen frei, die dann als Reserve zur effizienten Stromerzeugung zur Verfügung ständen, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Durch diese „virtuelle Methanisierung“ ließe sich die verhältnismäßig ineffiziente Umwandlung von Überschussstrom in Gas (Power-to-Gas) vermeiden und so eine hohe Effizienz der gesamten Energieversorgung gewährleisten.

Natürlich sind noch viele Fragen zu beantworten: Tarife, Regulierungsrahmen, Datenschutz und vor allem, wie man Nutzerkomfort mit wirtschaftlichen Erfordernissen und Anreizen kombiniert. Hier müssen die EE-Branche, die Energieversorger und die Politik gemeinsam Lösungen finden. Da aber die „Wende“ nicht im Status der „Kurve“ stecken bleiben soll – und das will keiner der Beteiligten – werden sie es auch tun.


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