Effizientere Vernetzung, damit aus der Energiewende keine „Störung im Betriebsablauf“ wird

Forschung & Technik 17. April 2013

Aber das meiste davon ist noch Zukunftsmusik. Das von Ochsner organisierte Kolloquium bot dagegen ein hervorragendes Beispiel für Vernetzung, und das ganz konkret und in mehrfacher Hinsicht: Planer, Wissenschaftler und Branchenexperten haben sich über die Potenziale von Wärmepumpen in Großanwendungen, für Prozesswärme und in Wärmenetzen ausgetauscht. Ein solcher Ideen-, Erfahrungs- und Perspektivenaustausch schafft kreative Energie, die für jede Branche in Sachen Innovation voranbringt.

Vernetzung spielte dabei auch technisch eine tragende Rolle: Gerade in Ballungsräumen sind individuelle Wärmepumpen-Anlagen in einzelnen Gebäuden nicht die einzige, vielleicht sogar nicht einmal immer die beste Lösung. Urbane Infrastrukturen wie Fern- und Nahwärmenetze, Abwasser- und Trinkwasserleitungen können der Wärmepumpe als Wärmequelle dienen oder die Wärmeverteilung übernehmen. Spezielle Hochtemperatur-Wärmepumpen können aus industrieller Abwärme, dem Rücklauf aus der Fernwärmeversorgung oder industriellen Kühlungsprozessen hohe Temperaturen von nahezu 100 Grad liefern, die für die Prozess- und Fernwärme benötigt werden. Lebendig illustriert wurde dies bei der heutigen Veranstaltung durch ein Pilotprojekt in einem Schlachthaus (was mir als Vegetarierin – bei aller Liebe zu der technisch ausgereiften Lösung – mit der detaillierten Prozessbeschreibung die Kaffeepause fast verleidet hat.)

Klar ist, dass z.B. durch die Vernetzung industrieller Fertigungsprozesse oder der Wasserwirtschaft mit der Wärmeversorgung enorme Effizienzpotenziale gehoben werden könnten. Bisher stehen diese Bereiche fast unverbunden nebeneinander – wertvolle Energie wird den Abfluss hinunter gespült oder zum Fenster hinausgeblasen, anstatt wiederverwendet zu werden. Davon würden alle Beteiligten nur profitieren können, von der Umwelt ganz zu schweigen.

Können, sollten, wollten: Während wir hierzulande noch in Zukunftsmodellen und Pilotprojekten denken, zeigt ein Blick ins nahegelegene Ausland, dass es auch anders geht. In Dänemark beispielsweise sind ab diesem Jahr fossile Heizungen im Neubau komplett verboten. Ein hoher Windstromanteil von fast 50 Prozent, KWK aus Biomasse und die weit verbreiteten Anschlüsse ans Fernwärmenetz sind weitere Bausteine für eine Wärmeversorgung, die weitestgehend mit der Stromversorgung vernetzt ist und wo Stromüberschüsse mittels Großwärmepumpen und Direktheizungen in die Großwärmespeicher der Fernwärmenetze eingespeist werden.

Zwar rät selbst Wolfgang Schulz vom Bremer Energie Institut, der das Beispiel Dänemark in seinem Vortrag  angeführt hat, nicht dazu, in Deutschland alles genauso umzusetzen. Dennoch zeigt das Vorbild unseres nördlichen Nachbarn, dass wir noch weiter denken können, wenn es um die Energieversorgung der Zukunft geht. Wir müssen integrierte Lösungen für ganze Stadtviertel finden. Auch bei der Energieversorgung müssen wir über Sektorengrenzen hinweg denken. Dann kann die Wärme dem Strom helfen, indem sie Speicher und Flexibilität bereitstellt, und der Strom den Erneuerbaren Anteil der Wärme voranbringen. Vernetzung – mein Schlagwort dieser (netzengpassbedingt) späten Stunde.

PS: Trotz der Netzengpässe hat mich die Bahn noch wohlbehalten nach Berlin zurückbringen können – und sich mit dem schaurig-schönen Sänk ju vor träwelling wiss Deutsche Bahn! artig bedankt.


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