Dr. Norbert Kämmer zur Zukunft der Kältemittel: "Man wird abwägen müssen"

Forschung & Technik 07. November 2013

Dr. Norbert Kämmer, Vice President Engineering, Emerson Climate Technologies (Europe)
Dr. Norbert Kämmer, Vice President Engineering, Emerson Climate Technologies (Europe)

Sehr geehrter Herr Dr. Kämmer, das Thema Kältemittel beschäftigt seit einiger Zeit Wirtschaft und Gesetzgeber, Stichwort: F-Gas-Verordnung. Wie beurteilen Sie die Vorschläge der Politik?

Wir halten den Vorschlag der Kommission mit einem Phase-down auf 21%  im Grossen und Ganzen  für umsetzbar, insbesondere was den Ersatz von R404A mit sehr hohen GWP angeht, obwohl wir uns längere Übergangsfristen wünschen. Die Forderungen aus dem Parlament jedoch, so wie sie zur Zeit bekannt sind und die ja weit über den Kommissionsvorschlag hinausgehen, sind völlig überzogen, ignorieren die technischen Randbedingungen und würden einen enormen Kostenaufwand für uns und unsere Kunden generieren bei marginalem  weiteren Nutzen für die Umwelt.

Was hat sich in den vergangenen Jahren im Bereich der Kältemittel getan – und wie geht die Entwicklung weiter?

Es wird eine grosse Anzahl von Kältemittel-Alternativen mit niedrigeren GWP Werten angeboten, die nahezu alle in die Kategorie A2L fallen, also brennbar sind. Diese Entwicklung mit technisch fundierten Ergebnissen für das Verdichterverhalten zu begleiten stellt eine grosse Herausforderung dar. Insgesamt müssen wir uns darauf einstellen, dass wir in Zukunft mit brennbaren Kältemitteln (A2L, A3) arbeiten werden.

Welche Anforderungen erwachsen daraus für die in den Wärmepumpen verwendeten Kompressoren?

Der Umgang mit brennbaren Kältemitteln ist eine Notwendigkeit. Eine weitere Folge kann sein, dass es eine Entwicklung weg vom Hochdruckkältemittel R410A geben kann hin zu niedrigeren Drücken, was zu geringen Leistungsdichten führen wird. Hier muss jedoch zunächst geklärt werden, welche Kältemittel mit deutlich niedrigerem Treibhauspotential sich langfristig durchsetzen werden.

Wie wirkt sich das auf die Effizienz der Anlagen aus?

Ich denke, es kann gelingen, einen Umstieg auf Kältemittel mit geringerem Treibhauspotential ohne Effizienzeinbussen zu bewerkstelligen. Manche Kältemittel erlauben sogar etwas höhere Verdichtergütegrade. Allerdings wird man letztlich zu einem Kompromiss kommen, bei dem die Anforderungen nach hohen Effizienzgraden, niedrigem Treibhauspotential und einem breiten Anwendungsbereich gegeneinander abgewogen werden müssen. Ach ja, da war auch noch das Thema der Kosten!

Das Interview führte Tony Krönert.

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Zum Referenten

Dr.-Ing. Norbert Kämmer ist Vice President Engineering bei Emerson Climate Technologies (Europe), früher DWM Copeland GmbH, in Aachen. Sein Maschinenbau-Studium absolvierte er in Hannover und den USA und promovierte zuThema Radialverdichter.


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