Dr. Lars Athenhöfer über den Zubau von Wärmepumpen im Kontext zentraler und dezentraler Energieerzeugung

Forschung & Technik 31. Oktober 2014

Lars Athenhöfer
Lars Athenhöfer

Herr Athenhöfer, die BWP-Branchenstudie von 2013 prognostiziert im konservativen Szenario für das Jahr 2025 einen Zuwachs an installierten Wärmepumpen auf 1,5 Mio. Stück – im optimistischen Szenario geht die Studie sogar von 2,25 Mio. Wärmepumpen aus. Wie wirkt sich dieser Zuwachs auf den Strombedarf Deutschlands aus?

Der prognostizierte Zubau von Wärmepumpen dürfte nur einen relativ geringen zusätzlichen Strombedarf hervorrufen. Hierfür sehe ich im Wesentlichen drei Gründe: Erstens sind Wärmepumpen mit entsprechenden Jahresarbeitszahlen zunehmend effizienter, benötigen also weniger Strom für die Deckung des erforderlichen Wärmebedarfs. Zweitens nimmt eben dieser Wärmebedarf insbesondere im Segment Haushaltskunden aufgrund der kontinuierlich wachsenden Anforderungen zur Energieeffizienz von Gebäuden perspektivisch ab.  Und drittens gehen wir davon aus, dass der Strom zunehmend dezentral vom Wärmepumpenbetreiber selbst erzeugt wird, insbesondere durch PV-Aufdach-Anlagen. Der dann noch verbleibende Bedarf an Wärmepumpenstrom wird die Nachfrage am Stromgroßhandelsmarkt nur um vermutlich einige wenige TWh ausweiten.

Ein erhöhter Strombedarf wirft die Frage nach der Versorgungssicherheit auf. Können sich aus diesem Zubau Versorgungsengpässe ergeben? Wie werden wir Strom in 10 Jahren produzieren?

Grundsätzlich wird unsere Stromerzeugung durch den weiteren Zubau von Photovoltaik und Wind immer grüner und immer weniger CO2-intensiv.  In der Folge wird die Stromerzeugung aber auch mehr und mehr fluktuierend und ungesteuert erfolgen. Als Konsequenz erwarten wir einen langfristigen Übergang von der heutigen Erzeugungssteuerung hin zu einer Nachfragesteuerung, um die Versorgungsicherheit zu gewährleisten. Unbestritten stellen Wärmepumpen eine gut steuerbare Last dar. Statt der befürchteten Versorgungsengpässe bringt der Wärmepumpenzubau somit im Gegenteil mehr Steuerbarkeit und Flexibilität ins System.

Welche Bedeutung werden Smart Grids und Power-to-Heat in diesem Energiesystem der Zukunft haben?

Für beide sehe ich langfristig ein großes Potential im Rahmen der skizzierten Nachfragesteuerung und damit für das Funktionieren des Gesamtsystems. Insbesondere Power-to-Heat wird sich nur dann im gewünschten Umfang entwickeln, wenn den Kunden attraktive Lösungen angeboten werden. Dabei wird es sich nicht nur um einzelne Wärmepumpen handeln, sondern es geht um Systemlösungen, die den Kundenanforderungen bezüglich Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Komfort genügen. Wärmepumpen in Kombination mit PV und einem (Home)Energy-Management-System können hier einen großen Beitrag leisten.

Zusammengefasst: Ist der Zubau an Wärmepumpen eine Herausforderung oder gar eine Chance für die Energieversorgung Deutschlands? Wo sehen Sie in diesem Bereich noch Hemmnisse für eine weitere Verbreitung der Wärmepumpe?

Wärmepumpen sind ein wichtiger Bestandteil des zukünftigen Energiesystems. Sie sind eine große Chance für die Energiewende, die ohne Integration des Wärmesektors, also ohne Wärmwende, auf halber Strecke stehen bliebe. 

Eine Herausforderung für die Wärmepumpe kann im schnellen Ausbau dezentraler Batterien als eine alternative Investition des Endkunden liegen. Aus Systemsicht können Batterien in Kombination mit dezentraler Erzeugung im Grunde die gleiche Stabilisierungsfunktion wahrnehmen, wie auch die Wärmepumpe.  Anders als bei Wärmepumpen wird für Batterien jedoch in den nächsten Jahren eine erhebliche Kostendegression erwartet. Auch hier wird der Kunde seine Entscheidung für oder gegen eine Wärmepumpe bzw. eine Batterie nicht aus Systemüberlegungen, sondern entsprechend seinem individuellen Nutzenkalkül aus Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Komfort treffen.

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Zum Referenten

Lars Athenhöfer studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hannover, wo er 1997 promovierte und seit 1998 Lehrbeauftragter ist. Er war Unternehmensberater bei Roland Berger, Manager beim Energiehändler Enron und Geschäftsführer in der Unternehmensberatung bei der Financial Advisory AG. Bei der RWE AG ist er seit 2004, wo er zurzeit als Leiter Downstream im Bereich Konzernstrategie und -entwicklung tätig ist.


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