Die Digitalisierung des Strommarkts

Forschung & Technik 02. September 2014

Vielleicht sollte man für Bauherren schon in der Planungsphase das  Buch „The Zero Marginal Cost Society“ von Jeremy Rifkin zur Pflichtlektüre machen. In diesem skizziert der Ökonom und Forscher den digitalen Strommarkt der Zukunft. Dieser werde, prophezeit Rifkin, wohlmöglich schon 2030 vollkommen dezentral und annähernd zu Selbstkostenpreis funktionieren. Die Digitalisierung sei Katalysator dieser Entwicklung. Denn durch die immensen Produktivitätssteigerungen in der Kommunikations- ebenso wie in der Umwelttechnologie, können die Waren „Information“ und „Energie“ immer günstiger erzeugt und distribuiert werden. Schließlich publiziere schon heute ein Drittel der Menschheit seine Informationen selbständig und annähernd kostenlos – Smartphone, Computer und Internet sei Dank.

Da die Weltbevölkerung Wind-, Wasser- und Sonnenstrom zunehmend dezentral erzeugen werde, seien Energieversorger, wie wir sie heute kennen, laut Rifkin zukünftig nicht mehr nötig. Zumal Strom durch die regenerative Erzeugung immer billiger werde – ein Szenario, das es der Wärmepumpenbranche um einiges leichter machen würde, als sie es zurzeit hat. Unternehmen wie RWE und EnBW werden sich dann zu Managern von Smart Grids und „virtuellen Kraftwerken“ weiterentwickeln, die Daten weitergeben und den Strom an die Stellen bringen, an dem er gerade gebraucht wird. Wärmepumpen mit dem SG-Ready Label sind bereits heute für diese Zukunft gerüstet.

Man  muss der Logik des Autors – nämlich, dass sich durch den „Megatrend Digitalisierung“ sowohl der Informations- als auch der Energiesektor zu einer Null-Margen-Ökonomie entwickle – nicht hundertprozentig folgen, um zu begreifen, dass sich der Energiemarkt in einem tiefgreifenden Umbruch befindet. Die meisten professionellen Akteure wissen das längst. Nun wäre es Aufgabe der Politik, auch die Verbraucher, die bei der Wahl des richtigen Heizsystems eine Investitionsentscheidung für bis zu 20 Jahre treffen, für die anstehende Revolution zu rüsten. 

Insbesondere der riesige Sanierungsmarkt muss in Fahrt kommen, um die Energiewendeziele zu erreichen. Ansonsten werden wir den World Over Shoot Day (Welterschöpfungstag) jedes Jahr ein bis zwei Tage früher begehen, während die Politik durch die überproportionale Belastung des Strompreises durch Steuern und Abgaben die Flexibilisierung des Strommarktes verzögert.


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