Versorgungssicherheit: Weniger ist besser als anderes

Energiepolitik 01. April 2014

Import Deutschland bald vermehrt Flüssiggas? (Quelle: manager-magazin.de)
Import Deutschland bald vermehrt Flüssiggas? (Quelle: manager-magazin.de)

Mit jedem Kubikmeter Erdgas, das in Deutschland verbrannt wird, wird der russische Machtapparat um ein paar Rubel reicher. Ein Drittel aller europäischen Gasimporte liefert Gazprom – ein politisch mächtiger Hebel, den Putin gezielt einzusetzen weiß. Dass Moskau den Gashahn sehr schnell zudrehen kann, bekam Europa zuletzt im Winter 2009 vorgeführt. Der wirkungsvolle Machtbeweis Putins ließ bei Erdgas-Kunden eine kleine Woge des Autarkiestrebens entstehen, der damals in bundesdeutschen Heizungskellern einige Öl- und Gaskessel zum Opfer gefallen sein dürften. Wie Vertriebsverantwortliche, Planer und Handwerker zu berichten wussten, entschlossen sich damals Hausbesitzer gleich reihenweise zu einem Umstieg auf Wärmepumpe. Durch die Erschließung einer regenerativen Energiequelle auf dem eigenen Grundstück, wollte sie unabhängiger von den oft aus Krisenregionen importierten fossilen Energieträgern zu werden.

Heute kann der Autarkiegrad durch die geschickte Kombination von PV-Modulen, Wärmepumpe, Speichern und intelligenter Regelung ohne Probleme signifikant und vergleichsweise kostengünstig erhöht werden, entsprechende Angebote für Verbraucher gibt es seit einiger Zeit.

Ist es also zu erwarten, dass durch die Krim-Krise die Verbraucher nun die dringend benötigte Wärmewende anstoßen, die Politik seit Jahren verschläft? Eher nicht, denn mit signifikant steigenden Öl- und Gaspreisen wird kurz- und mittelfristig kaum zu rechnen sein. Zwar steht die stufenweise Verschärfung von Sanktionen gegen Russland im Raum, doch rechnet niemand ernsthaft mit einem Stopp der russischen Gas-Exporte. Denn Russland braucht das Geld vermutlich noch mehr als Europa als das Gas.

Eben deshalb forderte US-Präsident Barack Obama am vergangenen Mittwoch die Europäer auf, neue Energiequellen zu erschließen und sich damit unabhängiger von Russland zu machen. „Ich denke, es ist nützlich für Europa, seine eigenen Energievorkommen anzuschauen", sagte Obama beim Treffen mit EU-Spitzenvertretern in Brüssel. Leicht zu erraten, dass Obama damit vor allem auf die Schiefergas-Förderung abzielen dürfte, die in den USA weit verbreitet, diesseits des Atlantiks wegen unklarer Risiken jedoch verpönt ist.

Weil die Produktionskosten von Schiefergas vielerorts wesentlich höher als prognostiziert ausfallen, ist der Fracking-Boom in den USA schon wieder vorbei: Das Inlandsgeschäft lohnt sich angesichts der rapide gesunkenen Gaspreise für viele Unternehmen der Fracking-Industrie nicht mehr. Um die Erwartungen der Investoren dennoch zu bedienen, soll das Gas in andere, lukrativere Märkte exportiert werden – auch deshalb warb Obama in Brüssel auch so nachdrücklich für das Freihandelsabkommen.

Dass die miserable Umweltbilanz von Schiefergas durch die für den Export notwendige Verfahrenskette und die Verschiffung mit Supertankern nicht besser wird, liegt auf der Hand. Dennoch bauen die USA bereits den ersten Terminal, in dem das Gas gekühlt, auf ein 500stel seines Volumens geschrumpft und in Schiffe gepumpt wird.

Dear Mr. President, you are so right: Anstatt auf umwelt- und geopolitisch fragwürdige Energie-Ferntransporte zu setzen, sollten wir uns endlich unserer heimischen Energiequellen besinnen. Das beste Gas ist das, das niemand braucht. Eine Umstellung des Wärmemarktes auf Erneuerbare Energien ist daher nicht nur umwelt- sondern auch sicherheitspolitisch geradezu zwingend.

Wärmepumpen können bei der Umstellung des Wärmemarktes auf regenerative, dezentral und regional gewonnene und genutzte Energie einen wichtigen Beitrag leisten. Eine solche Wärmewende bedeutet neben sauberer und zukunftsfähiger Energie für die Bürgerinnen und Bürger auch Souveränität und Handlungsfähigkeit für den Staat. Denn fast ein Drittel des hiesigen Erdgasabsatzes wird zur Wärmebereitstellung in den Haushalten verwendet. Dies vor Augen sollte der Fiskus jenen rund 4 Millionen Besitzern veralteter Öl- und Gaskessel durch förderpolitische Anreize den Wechsel auf eine Wärmepumpe schmackhaft machen. Bedauerlicherweise hat die Bundesbauministerin diese Woche eine steuerliche Förderung energetischer Sanierungsmaßnahmen erneut abgelehnt. Vielleicht sollten ihre Kollegen von der Leyen und Steinmeier hier nochmal etwas Überzeugungsarbeit leisten.


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