Stromsparen und Energieeffizienz sind nicht dasselbe

Energiepolitik 10. Juli 2014

Quelle: Deutscher Bundestag / Thomas Trutschel/photothek.net
Quelle: Deutscher Bundestag / Thomas Trutschel/photothek.net

Grundsätzlich: Effizienz heißt Einsparung fossiler Primärenergie

Was mit Energieeffizienz eigentlich gemeint ist, bleibt in der Diskussion häufig im Dunkeln. Viele setzen Energieeffizienz mit geringerem Stromverbrauch gleich. Warum dies ein Fehler ist, erläutere ich später. Energieeffizienz ist kein Selbstzweck, genau so wenig wie die Energiewende an sich. Das Ziel muss immer die Einsparung von CO2 zum Zwecke des Klimaschutzes sein. Energieeffizienz sollte daher bedeuten, ein gegebenes Ziel, z.B. ein warmes Haus, mit einem möglichst geringen Verbrauch fossiler Primärenergie, also von Brennstoffen wie Öl oder Gas, zu erreichen. Ein Teil der Lösung ist sicher das Vermeiden von Verlusten, z.B. durch Dämmung. Trotzdem muss der Restbedarf auf möglichst effiziente, klimafreundliche Weise bereitgestellt werden.

Verdrängung fossiler Brennstoffe durch Umweltwärme

Wärmepumpen gewinnen mithilfe von Strom Energie aus der Umwelt (Luft, Erdwärme, Grundwasser) und machen diese zur Raumheizung und für Warmwasser nutzbar. So stellen sie das drei- bis vierfache der eingesetzten elektrischen Energie (Strom) als thermische Energie (Wärme) bereit.

Früher war Heizen mit Strom verpönt, weil er fast ausschließlich aus Kohle- und Atomkraftwerken stammte. Mit der Energiewende ändert sich das. Jede vierte Kilowattstunde ist heute erneuerbar und der Anteil steigt weiter. Wer heute auf Umweltwärme setzt, dessen Heizung wird also in 20 Jahren noch ökologischer sein als heute. Eine Studie der TU München zeigt, dass eine heute installierte Wärmepumpe im Laufe ihrer Lebenszeit rund 80 Prozent Primärenergie einspart (verglichen mit einer alten Ölheizung im Bestand oder Öl-Brennwert+Solar im Neubau). Ab 2015 ist dies auch am Energielabel erkennbar, bei dem nur Wärmepumpen Spitzenwerte erreichen.

Stromsparen und Energieeffizienz sind nicht dasselbe

Häufig werden diese Begriffe gleichgesetzt. Die Wärmepumpe macht deutlich, dass das ein Trugschluss ist. Angenommen, von heute auf morgen würden 500.000 Heizkessel durch eine Wärmepumpe ersetzt, so würde zwar der Stromverbrauch in Deutschland steigen. ABER: Um diesen Strom bereit zu stellen, muss weniger fossile Primärenergie eingesetzt werden, als die fossilen Heizungen verbraucht hätten.

Damit wird deutlich, dass beim Thema Energieeffizienz, in der Energiepolitik ganz allgemein, Strom und Wärme gemeinsam betrachtet, die beiden Sektoren sogar noch stärker miteinander verknüpft werden müssen. Dies wird von renommierten Experten schon lange gefordert. Zwei Fraunhofer-Institute (IWES, ISE) und die Internationale Energieagentur (IEA) haben unabhängig voneinander errechnet, dass volkswirtschaftlich effizienter Klimaschutz mit einer Elektrifizierung der Wärmebereitstellung in Gebäuden durch Wärmepumpen einhergehen muss.

Was bedeutet das für die Energiepolitik in Deutschland?

Erstens: Energieeffizienz und insbesondere der Gebäudesektor müssen endlich in den energiepolitischen Fokus. Die Vernachlässigung der Wärme ist im Hinblick auf den Klimaschutz grob fahrlässig. Sie steht für 40% der CO2-Emissionen, doch Politik und Medien diskutieren nur über das EEG.

Zwar hat die Politik mit der EnEV-Novelle sinnvolle Vorgaben für den Neubau getroffen, die größten Potenziale schlummern jedoch im Gebäudebestand. Hier ist eine ausreichende und vor allem verbraucherfreundliche Förderpolitik sinnvoll. Die entsprechenden Programme müssen aber jährlich gegen Kürzungswünsche der Haushaltspolitiker verteidigt werden oder werden wie die steuerliche Absetzbarkeit von Sanierungsmaßnahmen von ihnen gänzlich verhindert. Während im Stromsektor jährlich 25 Milliarden Euro umgewälzt werden, scheitert die Wärmewende an einem Bruchteil dieses Betrages.

Zweitens: Energieeffizienz muss sich finanziell lohnen. Wie sonst sollen die Kunden von den erforderlichen Investitionen überzeugt werden? Dazu müssen die Preise am Markt für Heizenergieträger die ökologische Wirklichkeit widerspiegeln.

Wärmepumpen-Kunden müssen heute Stromsteuer und EEG-Umlage zahlen. Das sind über 8 Cent pro Kilowattstunde (mehr als ein Drittel des Gesamtpreises), womit der Preis für Wärmepumpenstrom höher ist als der für Erdgas oder Heizöl. Die Stromsteuer war einmal als Anreiz für mehr Energieeffizienz gedacht; die EEG-Umlage soll den Ausbau erneuerbarer Energien fördern. Im Wärmesektor verteuern sie jedoch den Strom im Vergleich zu fossilen Brennstoffen, die selbstverständlich nicht mit einer CO2-Abgabe belastet werden. So entsteht die paradoxe Situation, dass ein Kunde bei heutigen Preisen seinen alten Öl-Kessel gegen eine Wärmepumpe eintauscht und so fossile Primärenergie und schädliches CO2 spart – aber höhere Heizkosten hat. Es bestehen am Markt also Fehlanreize, die dringend beseitigt werden müssen.

Erstmals veröffentlicht im BID Debattenforum Energieeffizienz am 30.06.2014.


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