Keine gute Tat bleibt ungestraft? - Ein Kommentar von Paul Waning zur Preisentwicklung beim Wärmepumpen-Strom

Energiepolitik 20. Februar 2013

Wir wollen hier nichts beschönigen: Die Strompreise in Deutschland sind in den letzten Jahren und ganz besonders in diesem Jahr stark angestiegen – auch wegen der Energiewende und der EEG-Umlage (Aber natürlich verdient auch der Staat an jeder Kilowattstunde kräftig mit). Davon ist eine Gruppe ganz besonders betroffen: Die Heizstromkunden und damit die Wärmepumpen-Nutzer. Die Kosten für die Erneuerbaren Energien belasten die Erneuerbare Energie „Umweltwärme“.

Wer sich für eine Wärmepumpe entschieden hat, hatte dafür sehr gute Gründe, darunter viele ökologische, denn sie spart Energie und auf lange Sicht CO2. Zudem galt und gilt Strom als versorgungssicher, und weil Stromheizungen aufgrund ihrer Schaltbarkeit Vorteile für den Netzbetrieb bieten, gab es häufig günstige Tarife, so dass die laufenden Kosten von Wärmepumpen weit unter denen für das Heizen mit Gas oder Heizöl lagen.

Die Zeiten haben sich geändert. Für Wärmepumpen liegt der durchschnittliche Strompreis mittlerweile bei knapp 20 Cent pro Kilowattstunde. Viele Wärmepumpen-Nutzer fragen sich angesichts steigender Kosten: „Warum werde ich dafür bestraft, dass ich in eine umweltfreundliche Heizung investiert habe?“ oder „Warum soll mit meiner Wärmepumpe Windkraftwerke quer­sub­ven­tio­nie­ren?“ Andere Verbraucher, die über eine Wärmepumpe nachdenken, kommen angesichts der Preisentwicklung ins Grübeln. Die Auswahl eines Heizungssystems ist schließlich eine Investitionsentscheidung für die nächsten 20 oder 25 Jahre. Für diese Zeit ist man der Preisentwicklung des jeweiligen Energieträgers ausgeliefert. Sollte man sich also heute noch für eine Wärmepumpe entscheiden?

Es gibt nach wie vor sehr gute Gründe für die Wärmepumpe: Sie ist ein erprobtes, effizientes, umweltfreundliches System, das platzsparend und wartungsarm ist. Als Multitalent kann sie zur Heizung, Kühlung, Warmwasserbereitung eingesetzt werden und garantiert ein hohes Maß an Wohnkomfort. Sie verursacht immer weniger (vor Ort sogar gar keine) Emissionen, mit einer eigenen PV-Anlage und Ökostrom kann sie schon heute 100 Prozent klimaneutral betrieben werden.   Die Betriebskosten sind natürlich ein bedeutender Faktor, aber einer von vielen – zumal eine effiziente und fachgerecht installierte Wärmepumpe in vielen Fällen vom Staat bezuschusst wird und damit auch aus Kostengesichtspunkten immer noch eine sehr sinnvolle Wahl ist. Allen Verbrauchern kann ich heute nur raten: Treffen Sie eine vorausschauende Entscheidung bei der Wahl Ihres Heizsystems und wägen Sie sorgfältig ab. Bedenken Sie die langfristigen Aspekte der verschiedenen Lösungen und überlegen Sie, wo Sie Ihre Prioritäten setzen möchten.

Eines ist jedoch klar: Die Energiewende kostet Geld, viel Geld. Also müssen wir – Wirtschaft, Politik, Verbraucher – uns Gedanken darüber machen, wie wir dieses Projekt, das von der übergroßen Mehrheit befürwortet wird, umsetzen und finanzieren wollen. Bisher wird die Energiewende  fast ausschließlich von den kleinen und mittleren Stromkunden geschultert. Das ist energiepolitisch unklug und es birgt sozialpolitischen Sprengstoff. Es ist an der Zeit, dass die Kosten für dieses Jahrhundertprojekt endlich auf mehr und stärkere Schultern verteilt werden. Diese Erkenntnis setzt sich auch in der Politik mehr und mehr durch. Es besteht daher die begründete Hoffnung, dass die Stromkunden und Wärmepumpen-Nutzer in der kommenden Legislaturperiode entlastet werden.


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