Carsten Müller zur effizienzpolitischen Agenda der Großen Koalition

Energiepolitik 17. Oktober 2014

Die Große Koalition hat sich für die laufende Legislaturperiode viel vorgenommen, um die Energiewende in Deutschland voranzutreiben. Die effizienzpolitische Agenda der Großen Koalition ist Thema des Vortrags von Carsten Müller MdB beim 12. Forum Wärmepumpe am 13. November in Berlin.

Herr Müller, das Thema Effizienz wurde von Politik und Öffentlichkeit lange stiefmütterlich behandelt. Der Fokus lag lange Zeit ausschließlich auf dem Thema Strom. Wie erklären Sie sich diese Schieflage?

In der Tat wurde Energieeffizienz lange Zeit vernachlässigt, obwohl die Potenziale riesig sowie die ökologische, ökonomische und soziale Bedeutung enorm ist. Woran das liegt, kann nur gemutmaßt werden. Fakt ist: Das gesamte 20. Jahrhundert war gekennzeichnet von der Hoffnung, unendlich viel Energie zu geringsten Kosten nutzen zu können: Erdöl, Atomenergie, kalte Fusion, Erneuerbare. Die erneuerbaren Energien spielten bislang hauptsächlich im Stromsektor eine Rolle. Das Problem ist darum weniger die Stromfokussierung der Debatte, sondern die ausschließliche Erzeugungsdenke. Vielleicht ist ein spektakulärer Offshore-Windpark auch einfach anschaulicher und attraktiver als die Millionen Heizungskeller in deutschen Häusern. Dass sich viele Kraftwerke und Gaspipelines billiger einsparen als bauen ließen und eine nachhaltige Energiezukunft eine Balance aus effizienter Nutzung und sicherer Bereitstellung von Energie erfordert, muss das Credo der 21. Jahrhunderts werden.

Viele verstehen unter Effizienz einfach nur „Strom sparen“ oder in Bezug auf die Heizung „Alter Kessel raus, neuer Kessel rein“. Was verstehen Sie unter Energieeffizienz, im allgemeinen und speziell im Gebäude?

Beides - wir müssen sowohl Strom als auch Wärme rationell nutzen. In Bezug auf das Gebäude sehe ich vor allem die energetische Optimierung des „Gesamtsystems Gebäude“ gerade im Bestand, da hier die großen Potenziale liegen. Eine solche Optimierung muss auf die ganz individuellen Anforderungen des Gebäudes sowie die des Eigentümers zugeschnitten sein. Gleichzeitig muss sie vor einem längeren Zeithorizont betrachtet werden. Dabei besteht Energieeffizienz tatsächlich nicht nur im Austausch von Geräten, sondern muss als fortlaufender Prozess verstanden werden, Potenziale ganzheitlich zu erkennen und zu nutzen. Im Gebäude bedeutet das, sowohl Hülle als auch Technik als System zu begreifen.

Hinsichtlich primärenergetischer Effizienz, also der Einsparung fossiler Brennstoffe, bieten Wärmepumpen mit das größte Potenzial. Für viele Kunden rechnet sich die Anschaffung aber erst sehr spät. Grund sind die niedrigen Preise für Öl und Gas und ein durch staatliche Steuern und Abgaben hochgetriebener Strompreis. Wie muss Ihrer Ansicht nach ein Wärmemarkt aussehen, in dem sich Effizienz lohnt?

Ich denke, Effizienz lohnt sich heute schon in ganz vielen Fällen. Gerade die Öl- und Gaspreise haben sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt und werden trotz kurzfristiger Preisdellen durch Fracking-Gas und –Öl langfristig eher steigen als sinken. Das Problem dabei ist: Steigende Energiepreise alleine werden in erster Linie soziale und wirtschaftliche Notlagen verschärfen. Deswegen müssen wir uns heuten schon gegen diese Preisentwicklung versichern, indem jetzt energetisch sinnvoll gebaut oder saniert wird. Dafür brauchen wir die richtigen Dienstleistungen und Geschäftsmodelle, die Endanwender bei der Umsetzung unterstützen, sowie einen systematischen Abbau von Marktbarrieren. Die Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie in Form wettbewerblicher Ausschreibungen wäre ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Ebenso müssen Mietrecht, Energiesteuerrecht und Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) effizienzfreundlicher werden.

Aktionsplan Klimaschutz, Aktionsplan Energieeffizienz, EnEV-Novelle, Umsetzung der Energieeffizienzrichtlinie… Die Bundesregierung hat sich viel vorgenommen. Wo werden wir, Ihrer Meinung nach, effizienzpolitisch am Ende der Legislaturperiode stehen?

Wir werden hoffentlich deutliche Fortschritte gemacht haben, da Energieeffizienz endlich auf der politischen Agenda angekommen ist. Gleichzeitig zeichnet sich aber auch ab, dass wir gerade im Gebäudebereich noch einen deutlichen Zahn zulegen müssen, hier bin ich mit den aktuell kursierenden Vorschlägen noch nicht zufrieden, werde mich aber stark dafür einsetzen, dass hier noch mehr passiert – z.B. durch einen Steueranreiz für die Gebäudesanierung und einen besseren Energieausweis, um nur zwei Stichworte zu nennen. Denn: Deutsche Unternehmen sind weltweit Spitze in Sachen Energieeffizienz. Das müssen wir nutzen!

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Zum Referenten

Der Bundestagsabgeordnete Carsten Müller ist seit 1986 Mitglied der CDU und seit 2014 Vorsitzender des Parlamentskreises „Energieeffizienz“. Er ist u. a. ordentliches Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie. Seit 2010 ist der gelernte Bankkaufmann und studierte Rechtswissenschaftler ehrenamtlicher Vorsitzender der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF).


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