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7. Forum Wärmepumpe setzt auf Wohnungswirtschaft und Qualitätssicherung

Das „7. Forum Wärmepumpe“ am 22./23. Oktober im Berliner Hotel Ellington stand im Zeichen eines neuen Selbstbewusstseins der Wärmepumpen-Branche: Der etablierte Branchentreff wurde dieses Jahr zum ersten Mal vom Bundesverband Wärmepumpe (BWP) ausgerichtet. Die rund 250 Teilnehmer waren stolz, „ihre Branchen­ver­anstaltung“ nun endlich in Branchenhand zu sehen, und Vertreter aller wichtigen Ministerien zollten der Wärmepumpe ihren Tribut. Das „8. Forum Wärmepumpe“ findet am 7./8. Oktober 2010 in Berlin statt.

 

Neue Maßstäbe setzte auch die BWP-Branchenstudie 2009, die der BWP-Vorstandsvorsitzende Paul Waning auf dem Forum präsentierte. Um das Potenzial der Wärmepumpe für eine nachhaltige Wärmeversorgung auszuloten, vergleicht die Studie zwei Szenarien: Das erste Szenario beschreibt die Entwicklung unter gleich bleibenden Rahmenbe­dingungen. Das zweite Szenario hingegen setzt deutlich optimierte Rahmen­bedingungen voraus: Der „Modernisierungsstau“ im Altbau löst sich auf und die Förderung für erneuerbare Energie im Wärmebereich wird stark ausgebaut. Damit steigen die Absatzzahlen deut­lich stärker als in Szenario 1 – bis 2030 auf über 300.000 Wärmepumpen statt knapp 120.000, das wäre ein Marktanteil von über 36 % (2030), also mehr als ein Drittel des gesamten Heizungs­mark­tes. Daraus ergibt sich bei optimierten Rahmenbedingungen bis 2030 ein Potenzial von 66,5 TWh Umweltenergie, das die Wärmepumpe jährlich erschließen könnte. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen – so fordert der BWP etwa ein verstärktes Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien, eine Beschleunigung der Heizungsmodernisierung, politische Unterstützung für die Qualitätsinitiativen des BWP und verbesserte Bedingungen für die Planung und Genehmigung von erdgekoppelten Wärmepumpen.

 

Dass die Branche nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch denkt, zeigen die positiven Reaktionen auf die Impulsvorträge von Prof. Dr. Claudia Kemfert vom DIW und Prof. Dr.-Ing. Dr. Christian Berg vom Club of Rome: Beide spannten einen größeren Bogen und stellten die Energie- und Kohlendioxideinsparungen durch erneuerbare Energien in globale Zusammenhänge. Professor Kemfert wies auf die Verknappung fossiler Energieträger und das Risiko steigender Preise und sinkender Versorgungssicherheit hin. Sie betonte, dass die Kosten für Klimaschutz durch energetische Gebäudesanierungen sich häufig sogar als „negative Kosten“ rechnen. Statt die Heizung herunter zu drehen und zu frieren, sei eine Sanierung die weitaus komfortablere Antwort auf die drohende Energiekrise. Professor Berg analysierte die Vorteile nachhaltigen Wirtschaftens auf Unternehmensebene, das nicht nur zu steigender Mitarbeiterzufriedenheit führe, sondern auch das Risiko von horrenden Strafzahlungen eingrenze: Gerade weil derzeit häufig indirekte Kosten des Klimawandels ihren Verursachern nicht direkt in Rechnung gestellt werden, bestehe ein unkalkulierbares Risiko, dass diese „externalisierten“ Kosten später eingeklagt würden. So habe etwa Kalifornien sechs Automobilhersteller wegen ihres Beitrags zur globalen Erwärmung verklagt. Wichtig sei, dass die Politik frühzeitig die Bilanzgrenzen und Rahmenbedingungen richtig setze.

 

Politische Weichenstellungen für Erneuerbare Energien werden nicht nur auf nationaler, sondern auch auf europäischer Ebene vorgenommen: Michael Cramer, Abgeordneter der Grünen  Europaparlament, erläuterte, welche Impulse Europa setzt, um Erneuerbare Energien weiter auszubauen.  Thorsten Müller von der Forschungsstelle Umweltenergierecht der Universität Würzburg unterzog die vielzitierte europäische EE-Richtlinie einer juristischen Prüfung , während Michel Roffé-Vidal, ein Urgestein der Wärmepumpenszene und als Berater für die Airwell Group tätig, energisch an die Zuhörer appellierte, gegen die aktuelle Fassung der europäischen Eco-Design-Richtlinie zu protestieren: „Da haben wir bisher alle geschlafen!“

 

Beim Themenschwerpunkt „Wärmepumpen in der Wohnungswirtschaft“ betonte Ingrid Vogler vom GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, dass Erneuerbare Energien in bewirtschafteten Gebäuden sich in erster Linie wirtschaftlich rechnen müssten, und knüpfte damit an eine Forderung der Wärmepumpen-Branche nach einer Auflösung des Nutzer-Investor-Dilemmas an. Karin Spiewak-Berg vom Beamten-Wohnungsbauverein konnte mit dem Best-Practice-Beispiel einer kleinen Mehrfamilienhauslösung überzeugen: Durch den Einsatz eines durchdachten Geothermie-Gesamtkonzepts sanken die Fixkosten etwa 10% unter das sonst übliche Miet-Niveau – plus des Imagegewinns für die Firma.

 

Nach wie vor steht auch die Qualitätssicherung im Fokus der Branche: Der „Dreiklang“ aus EU-Zertifizierung für die Wärmepumpen-Installateure, dem DACH/EHPA-Gütesiegel für Wärmepumpen und dem Gütesiegel für Erdwärmesonden-Bohrer hat – wie Mario Jahn von der figawa erläuterte – nun einen neuen Ton angeschlagen: Das seit 2006 bestehende Gütesiegel für Erdwärmesonden-Bohrunternehmen werde bis 2010 in das DVGW-Arbeitsblatt W120 Teil 2 überführt. Grundanforderungen für das Gütesiegel sind ein aktives Bohrmanagement mit Qualitätssicherung, geschultem Personal und Einhaltung der Umweltschutzbestimmungen. Neu sei, dass diese Kriterien auch vor Ort auf der Baustelle überprüft werden. Um die Kapazitäten für die Schulung und EU-Zertifizierung von Wärmepumpen-Installateuren an die steigende Nachfrage anzupassen, wurden in Karlsruhe und Augsburg zwei neue Schulungs- und Prüfungszentren lizensiert.

 

Fazit: Die Wärmepumpen-Branche zeigte sich trotz Wirtschaftskrise auf dem „7. Forum Wärmepumpe“ zuversichtlich, präsentierte eigene Forderungen und Lösungen und suchte intensiv den Austausch mit der Politik – eine vielversprechende Mischung auch für das „8. Forum Wärmepumpe“, das am 7./8. Oktober 2010 in Berlin stattfindet.

 

 

 

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